Robert Konieczny – Ich habe Sinn für Sportsgeist

16. Sep 2017, in Interviews

Robert Konieczny. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Marcin Gola

 

Gibt es unterirdische Gebäude? Und wenn ja, können diese auch noch Fassaden haben? Was passiert, wenn man einen Platz anhebt als wäre er eine Decke?

Solche und ähnliche Fragen beantwortet Robert Konieczny, der beim World Architecture Festival 2016 als Sieger hervorgetreten ist mit seinem – fast – unsichtbaren Centrum Dialogu Przełomy (Dialogzentrum der Umbrüche). Dabei handelt es sich um einen neuen Ausstellungspavillon des Nationalmuseums in Szczecin, wo die jüngste Geschichte der Stadt und Vorpommern präsentiert wird.

Angesprochen auf die anstrengende Drei-Tage-Veranstaltung in Berlin erwidert der polnische Architekt: “Ich habe Sinn für Sportsgeist.“ Und den beweist er selbst im Umgang mit Fragen über die Arbeit seines Büros Robert Konieczny + KWK Promes. Seine Antworten zeigen seine Leidenschaft für das Bauen und dass es sich lohnt, sich darüber fundierte Gedanken zu machen.

 

D

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Jarosław Syrek

 

WAF 2016 in Berlin – World Building of the Year

Herr Konieczny, spätestens mit Ihrem Projekt Dialogzentrum Przełomy in Szczecin, das zum World Building of the Year 2016 ernannt wurde, haben Sie seit dem vergangenen November weltweite Aufmerksamkeit erlangt. Wie haben Sie das World Architecture Festival erlebt? Und da es ein besonderes Merkmal dieses internationalen Wettbewerbs ist, dass die Teilnehmer ihre Projekte persönlich präsentieren müssen – wie war das Gefühl, über Ihr Projekt vor einer solchen internationalen Jury zu sprechen?

 

Robert Konieczny: Ich hatte das Gefühl, gute Aussichten zu haben, denn auf der WAF Shortlist standen immerhin drei unserer realisierten Projekte. Einerseits wollte ich wirklich über diese Projekte reden, andererseits fühlte ich eine Art von sportlichem Stress. Aber ich habe Sinn für Sportsgeist. Man spürt da einen besonderen positiven Stress, der einen vorantreibt statt zu entmutigen. Außerdem ist es eine riesen Herausforderung.

 

 

WAF ist eine Art von Wettbewerb – man redet live über den eigenen Entwurf, verteidigt seine Meinung und diskutiert. Und all das sowohl vor der Jury als auch vor Publikum. Meiner Meinung nach lohnt es sich im Allgemeinen an Wettbewerben teilzunehmen, weil hier deine Arbeit auf den Prüfstein gelegt wird.

 

Berliner Reichstag – Fosters Wettbewerbsversion hätte perfekt gepasst

Übrigens, hatten Sie während der WAF Zeit, Berlin zu besuchen? Was denken Sie über Berlin? Welche Art von Architektur oder kulturellen Veranstaltungen interessierten Sie am meisten?

 

Robert Konieczny: Ich muss zugeben, während der WAF musste ich mich sehr darauf konzentrieren was zu tun war und ich wollte ja mein Bestes geben.  Erst recht, weil wie gesagt gleich drei meiner Projekte nominiert waren, die ich auch präsentieren musste. Ich hatte mich zurückgezogen, selbst für die Leute im Büro war ich nur schwer erreichbar.

 

Generell mag ich Berlin und ich bin nicht zum ersten Mal dort gewesen, zumal es relativ nah an Polen ist. Es ist eine Stadt, wo immer etwas passiert, dort gibt es viele Veranstaltungen, Festivals und Konzerte. Vor einigen Jahren besuchte ich die Berliner Festspiele, eines der besten Europas Jazzfestivals.

 

Und in Berlin gibt es Gebäude, die ich mag, die mich faszinieren, wie Peter Eisenmans Memorial, das neue Museum von David Chipperfield und Daniel Libeskinds Jüdisches Museum. Den Reichstag von Norman Foster muss ich hier einmal besonders hervorheben. Der realisierte Entwurf ist toll, aber ich liebe eher die erste, also die Wettbewerbsversion. (Der Wettbewerbsbeitrag von Norman Foster wies ursprünglich ein flaches Dach auf, Anm. d. A.) Schade, dass das nicht gebaut wurde. Es ist ein so vollkommenes Projekt, voller Impetus vielleicht, aber an diesem Ort hätte es perfekt gepasst. Es ist eine Schande. Ich kann mir vorstellen, dass die Verwirklichung phänomenal ausgesehen hätte.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Juliusz Sokołowski

 

Unsere Architektur geht tiefer als sie erscheint

David Chipperfield war der Leiter der WAF 2016 Jury. Es muss für Sie eine besondere Ehre gewesen sein, von einem solchen Architekten geschätzt zu werden. Der zudem, ähnlich wie Sie, radikal puristisch ist …

 

Robert Konieczny: Diese Auszeichnung ist so wichtig für mich wie die Person, die mir diese Auszeichnung verliehen hat. Ich schätze David Chipperfield wirklich. Ich mag seine Gebäude, man kann sie studieren und betrachten … Dank der mehrtägigen Dauer der WAF-Veranstaltung gelang es mir, ihn von unserem Projekt zu überzeugen. Warum? Nach unserer Präsentation gab er zu, hatte er sich das Gebäude angeschaut, so wie die anderen, und war noch immer nicht überzeugt. Aber, wie ich am Anfang schon gesagt habe, im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Gebäuden, die oft nichts anderes sind als ‚Eierschalen‘ – attraktiv auf den ersten Blick, aber ohne wertvollen Inhalt –  geht unsere Architektur tiefer als sie erscheint.

 

Sowohl David Chipperfield als auch die gesamte Jury waren schließlich überzeugt davon, dass der Entwurf eine relevante Lösung bietet. Nicht nur als interessante Architektur, sondern auch als ein Beitrag für die Stadt.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Jarosław Syrek

 

Die erste Entscheidung lag darin, an zweiter Stelle zu kommen

David Chipperfield sagt über Ihren Entwurf, dass er die Vergangenheit in einer optimistischen, poetischen und einfallsreichen und phantasievollen Weise anspricht. Was denken Sie über sein Urteil? Was ist die Rolle der Vergangenheit in diesem Entwurf?

 

Robert Konieczny: Das Projekt unseres Museums ergab sich aus dem bestehenden Kontext, aber in gewisser Hinsicht ergab es sich auch aus der Vergangenheit und der nahen Zukunft. Also ein paar Worte dazu … Neben unserem Museum sollte die Konzerthalle von Barozzi Veiga gebaut werden, von dem wir schon damals wussten, dass dieses neue Gebäude recht ikonisch ausfallen würde wegen seiner starken Form. So beschlossen wir, zur Seite zu treten, an zweiter Stelle zu kommen, so dass die Gebäude sich nicht gegenseitig aufheben. Das war unsere erste Entwurfsentscheidung.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes

 

Wir haben viel aus der Geschichte herausgeholt

Allerdings haben wir auch viel aus der Geschichte herausgeholt. Wir entschieden uns, zwei antagonistische Traditionen des Standortes miteinander zu verschmelzen. Vor dem Krieg war Szczecin eine deutsche Stadt gewesen und dieser Standort unseres Museums war damals ein Stadtquartier, das während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Als nach dem Krieg die Stadt über Nacht polnisch wurde, war an dieser Stelle auf einmal ein Platz, eine städtische Leere entstanden. Und, die Menschen gewöhnten sich an diesen Platz. In den 70er Jahren war er eine Bühne für dramatische Ereignisse. Zusammenstöße mit der Miliz endeten mit 16 Toten und seitdem ist der Platz eine Gedenkstätte.

 

Daher die Idee, einen Wettbewerb auszurufen für die Gestaltung des Historischen Museums, das sich auf diese Vorfälle bezieht, die ein Durchbruch in der modernen Geschichte von Szczecin waren. Wie ich schon erwähnte, der Kontext, die nahe Zukunft und die Vergangenheit, all das ist in dieser Lösung miteinander verschmolzen.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes

 

Ein Hybrid aus Platz und Stadtviertel

Durch das Verbinden von zwei widersprüchlichen Traditionen – dem Stadtviertel aus der Vorkriegszeit und dem Nachkriegs-Platz erhielten wir ein städtisches Hybrid, das beides zugleich ist, ein Platz und ein Viertel. Der abgeflachte Platz schafft einen Vorbereich für die Philharmonie und die Kirche. So führte unser Design zum Konzept eines Amphitheaters, das aus geschichtlichen Gründen einen monolithischen Charakter haben sollte.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Juliusz Sokołowski

 

Deshalb haben wir Beton als Hauptmaterial verwendet – damit der Platz sanft und gleichmäßig angehoben werden konnte.  Das Ganze erweckt den Eindruck als wäre das Museum aus monolithischen Betonsteinen gebaut.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Jakub Certowicz

 

Zuerst betrachteten wir den schräg abfallenden Platz nur als eine Art von resultierender Fläche. Erst mit der Zeit haben wir begriffen, dass dieser Raum den Bewohnern sogar noch mehr Möglichkeiten gibt. Man kann hier Fahrrad und Rollerblades fahren oder Schlitten im Winter.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Piotr Rakowski

 

Ein Ort, der die Leute zusammenführt

Aufgrund der Tatsache jedoch, dass es eine Gedenkstätte ist verbat die Stadtverwaltung, die Oberfläche zu befahren oder andere Sportarten darauf ausüben. Natürlich waren wir mit der Entscheidung des Stadtrates nicht einverstanden. Wir waren der Ansicht, dass der Platz die Leute zusammenführen sollte, anstatt sie auseinander zu bringen. 

 

Zunächst war, aus Gründen der Baugenehmigung, Kopfsteinpflaster vorgesehen, aber später haben wir eine Änderung durchgesetzt. Allerdings stellte sich heraus, dass nicht nur der Bodenbelag, sondern auch die Topographie des Platzes Probleme machen könnte.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Source Press

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Magdalena Kotelon

 

Veteranen und Jugendliche und ihr Platz

Während einer Zeremonie zu einem militärischen Jahrestag stellte sich heraus, dass die wichtigsten Veteranen bergab standen und die weniger wichtigen über ihnen. Außerdem hatten die Truppen Probleme mit dem Marsch auf unebener Oberfläche. Ein allgemeiner Skandal brach aus. Allerdings, das größte Problem hatten die Gegner mit den Skatern, für die der Platzbelag natürlich perfekt ist.

 

Die Vermittlungen zwischen der Veteranen-Gemeinschaft und den Jugendlichen dauerte zwei Jahre, was natürlich eine lange Zeit ist. Und selbstverständlich haben wir daran teilgenommen. Denn uns war es wirklich wichtig, dass sich beide Seiten einigen und dass der Platz für alle da ist.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Juliusz Sokołowski

 

Unterirdische Räume in Schwarz

Am Ende schafften wir es, dass der Platz allen Einwohnern dient. Aber die Situation unter Tage war auch nicht gerade einfacher. Als es soweit war, mit den Ausstellungen, stellte sich heraus, dass wir nicht dafür verantwortlich sein würden. Da wir diese dummen Ausstellungs- Szenographien fürchteten, die so tun als wären sie historisch, entschieden wir uns dafür, uns davon loszusagen. Dann kam die Idee, den ganzen unterirdischen Teil mit schwarzer Farbe zu überziehen. Damit wollten wir betonen, der Teil gehört nicht mehr zu uns.

 

Doch als die Entwurfsarbeit fertig war fragte uns das Unternehmen, das verantwortlich ist für das Projekt, ob wir sie nicht beraten könnten. Und als wir dann ihre Pläne sahen, gab es für mich kein Halten mehr. Ich fuhr von Katowice (dort wo unser Büro ist) nach Szczecin, für einen Tag, um mich mit der Firma zu treffen. Und aus einem Tag wurde fast ein Monat. Es war ein recht dramatischer Meinungsaustausch, eine echte Mann-zu-Mann-Sache.

 

 

Historisches Museum und Kunstmuseum in einem

Aber letzten Endes muss ich ihnen dankbar sein, sie waren einverstanden damit, das Projektteam auszuweiten und sowohl uns als auch die Künstler mit einzubeziehen. So konnten wir sie auch davon überzeugen, diese ganze über-theatralische Szenographie, die die Vergangenheit imitieren soll, rauszuschmeißen aus dem Ausstellungskonzept. Diese Szenographien sind ja leider typisch für die meisten historischen Museen … Wir nahmen uns vor, uns nur auf reine Informationen und Artifakten zu konzentrieren und das Ganze zu verbinden mit Kunst, die aber nicht den Geschichtsaspekt noch verstärken musste.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Juliusz Sokołowski

 

Wir luden zeitgenössische polnische Künstler ein, an dem Projekt teilzunehmen. Wir behielten die schwarze Farbe bei, weil sie nun ein perfekter Hintergrund war für die Kunst. Dank dieser Vorgehensweise wurde aus dem historischen Museum gleichzeitig ein Kunstmuseum, das beides auf einmal enthält, Kunst aus der Gegenwart und Kunstwerke, die aus bestimmten Perioden der Geschichte stammen.

 

David Chipperfield war erstaunt über die Architektur selbst, aber auch die Geschichte, aus der sich das Gebäude ableitet und darüber wie sie der Stadt nützt, besonders im sozialen Sinne. Ein kaum frequentierter Platz wird hier zum Forum der Stadt.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes (Bildauschnitt)

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Juliusz Sokołowski

 

Ich mag keinen eigenen Stil haben

Besonders auffällig an dem Dialogzentrum Przełomy ist natürlich, dass es unterirdisch gelegen ist. Zum Teil ist das eine Reaktion auf die neue weiße Philharmonie von Barozzi Veiga. Aber gleichzeitig reflektiert diese Geste eigentlich auch ihre gesamte Arbeit. D.h. Sie mögen es einfach, sozusagen abzutauchen und sich mit der Topographie des Ortes auseinanderzusetzen. Was können Sie uns über diese persönliche Neigung im Allgemeinen sagen und speziell über das Unterirdische dieses Projekts?

 

Robert Konieczny: Ich habe einmal gesagt, ich mag keinen eigenen Stil haben, weil ich mit dem konzeptionellen Design vertraut bin. Der Konzeptionalismus ist eine Art, gegen deine eigenen Vorlieben zu handeln, weil die Idee und die Logik des Projekts in eine ganz bestimmte Richtung führen. Manchmal passiert es, dass das Ergebnis nicht nur den Kunden, sondern auch den Entwerfer überrascht.

 

 

Schritte auf dem Wege der Entwurfsevolution

Das Durchbrechen von Mustern hat uns gewissermaßen dazu geführt, neue Definitionen und neue Muster zu schaffen. Das Ergebnis unserer Untersuchungen von Lösungen über viele Jahre der Gestaltung ist, dass völlig neue Wege und Möglichkeiten des Entwerfens aufgetaucht sind. Die dabei aufkommenden Ideen wurden mehr und mehr verfeinert und entwickelt. Manchmal ist da nur eine Kleinigkeit neu, und das Neue führt zu einem neuen Weg und zu einer Art von einem neuen Muster. Eine dieser Wege ist der Weg der Topographie, zu dem auch Museum Przełomy gehört. So wie ich schon gesagt habe, dieses Projekt ist das Ergebnis der Logik und Geschichte des Standorts. Aber andererseits, wenn unsere vorherigen Projekte nicht gewesen wären, wäre diese Lösung nicht so ohne Weiteres entstanden. Und, es ist einer der nächsten Schritte auf dem Weg der Entwurfsevolution …

 

Obwohl das Dialogzentrum unter der Erde liegt, hat es eine Fassade – Sie haben eine Ecke des Platzes um ein paar Meter angehoben und dadurch entstehen plötzlich vertikale Wände, die als Eingang dienen. Was können Sie uns eigentlich zu dieser besonderen Eingangs-und-Ausgangssituation sagen? 

 

Robert Konieczny: Um es zu wiederholen, dieses urbane Hybrid ist eine Kombination aus Platz und Stadtviertel. Man kann es von beiden Seiten betreten, d.h. von der Ecksituation und vom Platz aus. Denn das gesamte Erdgeschoss ist eine Erweiterung vom Platz und eine einzige große Eingangszone.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Jakub Certowicz

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Foto © Juliusz Sokołowski

 

Monolithisch offen

Interessanterweise ist es so, dass der Eingang an der Ecke deutlicher hervortritt, wenn das Museum geschlossen ist. Weil dann die Ecke monolithisch wird.

 

Es war uns wichtig, dass das Gebäude pur wirkt und homogen ist. So haben wir alle Eingänge und Ausgänge ähnlich behandelt. Sie sind versteckt hinter beweglichen und drehbaren Wänden, die so gestaltet sind, dass sie sich dem restlichen Plattenbelag des Museums fügen.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin – Eingang vom Platz aus. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Fotos © Juliusz Sokołowski (Animation v. d. A.)

 

Sobald das Museum geöffnet ist stehen diese Wände senkrecht zur Ansicht. Wenn man dann das Gebäude von einem bestimmten Winkel aus betrachtet, hat man (immer noch, also obwohl man weiß, dass das Gebäude geöffnet ist; Anm. d. Autorin) den Eindruck eines Monolithen, nur dass der Eingang so noch mehr betont ist. Erst wenn man senkrecht zur Fassade steht, stellt man fest, dass hinter den Wänden ein verglaster Innenraum liegt.

 

Dialogue Center Przełomy in Szczecin. Courtesy of Robert Konieczny + KWK Promes. Fotos © Juliusz Sokołowski

 

Wir wollten eine schlichte Gebäudeansicht, wir wollten keine allgegenwärtige sichtbare Technologie. Es erforderte viel Mühe, diese pure Form zu erzielen und alle Monteure von unseren Lösungen zu überzeugen. Aber vor allem haben wir uns bemüht um einen konsequent klar formulierten Platz. Und das hauptsächlich aus funktionellen Gründen, aber auch wegen der Ästhetik.

 

Wann es lohnt, Richtlinien zu durchbrechen

In einem polnischen Interview bei Archinea1 sagen Sie, dass Sie vieles was Sie bei diesem Projekt gemacht haben heute anders machen würden. Das macht natürlich neugierig. Worum geht es dabei?

 

Robert Konieczny: Ich weiß nicht, ob Sie wissen, dass beim Wettbewerb nur ein Teil des Platzes vorgesehen war. Dennoch entschied ich – wegen unseres starken Konzepts, das die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet -, dass es sich lohnen würde, die Richtlinien des Wettbewerbs zu durchbrechen und unser Projekt den gesamten Platz umfassen zu lassen.

 

Und wir haben gewonnen. Die Jury hat uns den ersten Preis verliehen.  Aber leider wurde das Budget nicht angehoben. Was bedeutete, dass wir weitaus mehr leisten mussten für das gleiche Geld.

 

Der Kampf um die Materialien

Dann hatten wir das Problem, dass die Firma, die die Ausschreibung gewonnen hatte, Ersatz anbot für diejenigen Materialien, die wir eigentlich ausgesucht hatten. Denn sofern die Eigenschaften dieser Ersatzmaterialien identisch waren mit den Materialien, die wir vorgeschlagen hatten, galt das Verfahren aus Sicht des polnischen Gesetzes als legal. Daher konnten wir uns nicht widersetzen. Und wir waren zu ungeübt, um einen so reifen Gegner zu übertrumpfen.

 

Von Natur aus ein Perfektionist

Worum ich nun erst recht und umso mehr kämpfte war die Qualität des Materials. Ich bin jemand, der bis zum Ende kämpfen kann. Denn ich bin von Natur aus ein Perfektionist – deshalb sagte ich auch in jenem Interview, das sie angesprochen haben, dass ich heute vieles anders machen würde bei diesem Projekt …  Das ist auch der Grund, warum mir manche Dinge einfach auf die Nerven gehen: Mein Perfektionismus und die Art wie unsere Gebäude für Privatinvestoren am Ende aussehen. Unglücklicherweise hatte ich bei den meisten von denen keinen Einfluss. Andererseits muntert es mich auf, wenn Leute, die schon viel Architektur gesehen haben in ihrem Leben, das Gebäude besuchen und seine Qualität loben. Das überrascht mich dann.

 

 

Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche von Özlem Özdemir

 

Zum 1. Teil des Interviews

Zum 2. Teil des Interviews

Zur Website von Robert Konieczny + KWK Promes

1 http://archinea.pl/szczery-wywiad-robertem-koniecznym/

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

*Pflichtfeld