„Ökologie ist der Megatrend unserer Zeit“

27. Mrz 2014, in Glas, Interviews, Putz, Stein

Mit welchen Materialien in Zukunft gebaut wird, kann man heute schon in der Ausstellung der raumPROBE in Stuttgart sehen. Einen zentralen Platz nehmen dort die Trends ein, die die beiden Geschäftsführer Hannes Bäuerle und Joachim Stumpp in der Vielzahl der Neuentwicklungen ausmachen.  Im zweiten Teil des Interviews erzählt Joachim Stumpp, welche Eigenschaften Materialien zukünftig haben müssen und welche großen Trends sind schon heute identifizieren lassen.

 

 

Joachim Stumpp, Geschäftsführer der raumPROBE in Stuttgart, hat ein gutes Auge für neue Materialtrends. Foto raumPROBE

 

Welche Trends machen Sie aus, die die große Vielfalt des Materialangebots für Architekten strukturieren?

Joachim Stumpp: Heutzutage ist es so, dass viele kleinere Trends kurzlebiger sind und deshalb parallel nebeneinander laufen. Das macht es schwierig, von großen Trends zu sprechen. Trotzdem lassen sich aber Entwicklungen und Trends feststellen. Gerade in der Baubranche und der Architektur, sind Trends in der Regel langlebiger. Wir haben gerade vorhin das Eichenparkett genannt. Das ist insofern gerade ein Trend, weil es mit Sicherheit bei ganz vielen Parkettlegern und Parkettstudios am häufigsten verkauft wird. Es ist aber dann für die Avantgarde-Architektur natürlich nicht mehr Trend, weil es längst im Mainstream angekommen ist. Die Avantgarde-Architekten haben heute schon ganz andere Trends für sich ausgemacht. Die unterschiedlichen Blickwinkel und Standpunkte machen den Begriff Trend sehr vielschichtig.

 

Gibt es dennoch einen Megatrends, den Sie identifizieren können?

Joachim Stumpp: Es sind breite gesellschaftliche Trends, die man als Megatrends bezeichnen kann. In den letzten Jahren trifft das beispielsweise auf Nachhaltigkeit und Ökologie zu. Beide sind absolute Megatrends, weil sie zum einen durch alle Branchen gehen und zum anderen auch am Markt von den Konsumenten tatsächlich abgefragt werden. Wir haben viele Planer, die sagen: „Ich suche ein Produkt, aber bitte achtet mir auf die ökologischen Eigenschaften.“

 

 

Wie überträgt sich ein solcher Trend auf die Fassade?

Joachim Stumpp: Ökologie und Nachhaltigkeit manifestieren sich an der Fassade beispielsweise in Dichtungen, Dämmungen und dem Sonnenschutz. Das sind Bereiche, in denen dieser Trend auch Produktentwicklungen zur Folge hatten. Ob das jetzt Materialien sind, die gleichzeitig auch kühlen, so genannte Phase Changing Materials (PCMs ). Oder Materialien im Glasbereich, die für einen besseren Sonnenschutz sorgen, weil sie nicht nur bedampft sind, sondern thermochrom, elektrochrom oder photochrom dimmbar – also je nach Sonneneinstrahlung verdunkelt sich die Scheibe automatisch. Grundsätzlich können aber auch komplett neue Produkte aus solchen Trends heraus entstehen.

 

Beispiel für ein Material mit „Phase Changing Material“-Eigenschaften. Foto raumPROBE

 

 

Woran denken Sie da?

Joachim Stumpp: Produkte, die aus ganz anderen Bereichen kommen. Es gibt bei Terrassendielen jetzt zum Beispiel WPCs (Wood Plastic Composites) . Das ist im Grunde ein Recyclingprodukt, bei dem Holzspan mit Kunststoff vermischt und dann zu Terrassendielen extrudiert wird. Oder ein Material, das aus Reishülsen besteht, auch ein Abfallprodukt aus der Lebensmittelindustrie, das mit mineralischen Zuschlagstoffen vermengt wird, um darausein sehr standhaftes Material für den Außeneinsatz zu erzeugen. Auch diese Produkte werden jetzt an der Fassade eingesetzt. Ob das jetzt ein Trend ist, weiß ich nicht. Aber es sind zumindest Produktentwicklungen, die auf diesem Gebiet stattfinden.

 

 

Bevor diese Produkte die Wirkungsmächtigkeit eines Trends haben, müssen sie sich zunächst einmal im Kleinen bewähren.

Joachim Stumpp: Deshalb sind diese Mischmaterialien heute oft noch Nischenprodukte. Was an der Fassade aber immer interessant ist, sind Eigenschaften und Funktionalitäten. Ganz egal, ob das jetzt der selbstreinigende Effekt ist oder auch diese luftreinigenden katalytischen Eigenschaften, die Farben haben. Solche Verbesserungen der Qualität finden parallel zur Entwicklung von neuen Materialien statt.

 

Oft dient die Natur als Inspirationsquelle für die Entwicklung neuer Materialien, wie hier bei dieser transparenten Wärmedämmung. Foto raumPROBE

 

Wenn Sie in die Zukunft der Material- und Produktentwicklung blicken, was sind Ihre großen Erwartungen und Hoffnungen?

Joachim Stumpp:Generell ist auch mir das Thema Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinne und vor allem die Reccourceneffizienz wichtig. Als Materialspezialist hoffe ich natürlich ausserdem, dass die Vielfalt auch weiterhin zum Einsatz kommt. Daher erwarte ich für die Zukunft, dass in allen Bereichen weiterentwickelt wird und neue, optimierte Materialien auf den Markt kommen. Auch neue Verfahren und Technologien im Bereich der Materialverarbeitung sind hierbei entscheidend – vom Lasereinsatz bis zum 3D Druck. Es freut mich aber auch immer, wenn ich alte Klassiker wiederfinde und beispielsweise ein Holzhaus mit einer Holzfassade sehe, die einfach anders umgesetzt wurde als bisher. Wie bereits erwähnt ist Glas ein Material das trotz seines Alters eines der modernsten ist, auch mit weiterhin viel Potenzial – ich hoffe dennoch auf dieVielfalt.

 

 

 

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