Kapillare Fassadengestaltung

4. Dez 2012, in Energieeffizienz, Fassadendesign, Glas, Objektberichte, VHF

Am menschlichen Kapillarsystem orientiert sich die Fassadengestaltung der medizinischen Fachbereichsbibliothek in Düsseldorf.  Hinter der aufmerksamkeitsstarken Oberfläche befindet sich eine hinterlüftete Fassade

Der Name des Gebäudes O.A.S.E., die Abkürzung für „Ort des Austauschs, des Studiums und der Entwicklung“, lässt schon das Entwurfskonzept von HPP Architekten erahnen. Aufgabe der Architekten war es, ein Gebäude für kreatives Lernen zu entwerfen, das darüber hinaus mit seiner prägnanten Fassadengestaltung einen neuen architektonischen Anziehungspunkt auf dem Universitäts-Campus bilden sollte.

 

Vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Kapillar-Optik

Abendstimmung: Vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Kapillar-Optik.

 

Die vorgehängte, hinterlüftete Fassade lässt sich individuell gestalten

Das Resultat ist ein Kubus, der auf einem quadratischen Grundriss eine Höhe von 38 Metern erreicht und sich mit seinem prägnanten Erscheinungsbild deutlich von der umliegenden Bebauung abhebt. Für die Fassadengestaltung ließen sich die Architekten vom medizinischen Aspekt des Kapillarsystems inspirieren. Die vorgehängte hinterlüftete Fassade erzeugt mit einem Wechselspiel aus organisch geformten, geschlossenen Feldern, die mit Elementen aus weißer Glaskeramik verkleidet sind, und Fensterbändern aus grün eingefärbtem Sonnenschutzglas, ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.

 

Detailansicht der vorgehängten hinterlüfteten Fassade

In der Detailansicht kann man die quadratischen Glasmosaike erkennen, die auf das vorgehängte hinterlüftete Fassadensystem aufgebracht sind.

 

 Oberflächen aus Sichtbeton, Glas, Holz und Kunststoff vermitteln eine klaren Eindruck

Im Inneren des Gebäudes steht die Strenge der rechteckigen Räume im Kontrast zum offenen Grundriss der Mittelzonen. Zwei Zylinder mit Treppen- und Versorgungskernen erstrahlen auf allen Etagen in frühlingshaftem Grün, umgeben von wellenförmigen Sitzmöbeln in Weiß, Lila, Grün- und Blautönen. Oberflächen aus Sichtbeton, Glas, Holz und Kunststoff bilden einen Kontrast und vermitteln einen klaren, ruhigen Eindruck. Sowohl das Farbkonzept als auch die Einrichtung wurden gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Silvia Pappa und UKW Innenarchitekten entwickelt. Im Erdgeschoss befinden sich die öffentlichen Bereiche: Foyer, Vortragssaal und Cafeteria sowie, eingehängt als Mezzaningeschoss, der Konferenzraum. Durch die doppelte Geschosshöhe ergeben sich hier großzügige Räume. Fachschaftsbüros, Lernräume und Studiendekanat verteilen sich auf die Ebenen eins bis drei; erst darüber beginnt die eigentliche Bibliothek mit der Ausleihe.

 

Medizinische Fachbibliothek Düsseldorf Innenansicht

Oberflächen aus Sichtbeton, Glas, Holz und Kunststoff bilden einen Kontrast zur netzwerkartigen Fassadengestaltung und vermitteln einen klaren, ruhigen Eindruck.

 

In allen Etagen finden die Studenten differenzierte Räume vor, deren Arbeitsplätze allesamt über Internetzugang verfügen. Zudem gibt es Bereiche zum Ausruhen. Ebene 7 ist wieder ein Sondergeschoss mit doppelter Raumhöhe: Über Lernräumen und Entspannungsbereich ist eine Leseempore eingehängt. Wenn der Kopf zu sehr raucht, bietet die Dachterrasse einen Ort zum Abkühlen sowie einen weit schweifenden Blick über den Campus Düsseldorf.

Der ist geprägt von Klinikbauten der 1930er Jahre und Fakultätsgebäuden aus den 1970er Jahren. Ein städtebaulicher Masterplan legt fest, den Bestand weitestgehend zu erhalten und die Heinrich-Heine-Universität mit Neubauten attraktiver zu gestalten.

 

Netzwerk aus Fensterflächen und Glasmosaik

Wechselspiel: Wie ein feines Netzwerk durchziehen die Fensterflächen die mit Glasmosaik gestaltete Fassade.

 

Zur Homepage von HPP Architekten

Zur Homepage von UKW Innenarchitekten

Zur Homepage der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität

Fotos: Sto SE & Co. KGaA

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2 Kommentare

  1. 10. Jan 2013, 11:28 am erstellt von Kathrin Vesely

    Sehr geehrter Herr Straub,

    vielen Dank für den interessanten Objektbericht.
    Dies ist aus meiner Sicht ein sehr schönes Beispiel für eine gelungene Fassadenkombination. Der Trend bei Fassadengestaltungen geht wieder zu Misch-fassaden, was aus meiner Sicht aus zweierlei Hinsicht Sinn macht: Optik und Technik.
    Ich bin gespannt auf weitere Projekte solcher Art.
    Mit besten Grüßen

  2. 10. Jan 2013, 3:25 pm erstellt von Daniel Straub

    Sehr geehrte Frau Vesely,

    vielen Dank für Ihre lobenden Worte, die wir hier im Team als Ansporn nehmen, die Augen weiterhin offen zu halten, damit wir unseren Lesern auch in Zukunft interessante Architekturbeispiele, bei denen sich Optik und Technik ideal ergänzen, präsentieren können.

    Viele Grüße

    Daniel Straub