Starres Raster mit beschwingten Fenstern – Carrer Rosselló 257 von OAB

2. Jun 2017, in Energieeffizienz, Fassadendesign, Oberflächen, Objektberichte, Putz, Sanierung

 

Carlos Ferrater und sein mitgegründetes Büro OAB pendelt virtuos zwischen subtiler Orthogonalität und fraktalen oder organischen Formen mit diskreten Farben oder polychromen Kompositionen. Es gibt strengere Projekte wie ‚Impiva Technology Park‘, das Wohnhausgebäude ‚Roger de Flor und Ali Bei‘ aber auch freiere wie die Botanischen Gärten von Barcelona und die Uferpromenade in Benidorm. Und natürlich gibt es Übergänge bei denen den straffen Grundrissen fast verspielt gefaltete Fassaden gegenüberstehen, so wie bei ‚Lesseps‘. Zusammengefasst wird aber alles immer unter dem Begriff der Geometrie. Einer stets eleganten und bedachtsamen Geometrie.

Viele Jahre arbeitete Carlos Ferrater nur mit vier oder fünf Mitarbeitern. Aber 2006 begann der heute 72 jährige katalanische Architekt etwas Neues. Gemeinsam mit seinen zwei Kindern und seinem Schwiegersohn gründete er ein im größeren Kollektiv arbeitendes Büro. Sein schlichter Name: OAB – Office of Architecture in Barcelona. Nur zwei Parallelstraßen entfernt vom Büro, im Stadtteil des Modernismo Eixample, entstand letztes Jahr die Gebäudesanierung ‚Carrer Rosselló 257‘. Bearbeitet wurde der Entwurf von Carlos Ferrater zusammen mit seiner Tochter Lucía Ferrater.

 

Sanierung eines modernen Kulturguts

Die Aufgabe bestand darin, ein Bürohaus umzuformen, um es für Wohnungen nutzbar zu machen. Das Gebäude im Eixample stammt von dem Architekten Roberto Via Terradas. Und zwar entstand es im Jahr 1962. Überdies steht es aufgeführt im Denkmalschutz Katalog von Barcelona als Kulturgut mit dem Grad C.

Die Sanierung des modernen Kulturerbes begann erst nach der Befragung der Kinder des Architekten. Und dabei beachtete OAB insbesondere die ursprüngliche Planung.

 

 

Starres Raster mit beschwingten Fenstern

Das Büro OAB hielt an den Kompositionskriterien der Fassade, die zum Carrer Rosselló ausgerichtet ist und der Fassade in Richtung des Palau Robert Garten,  fest.  Dabei hinzugenommen haben die Architekten weißen Kalkstein, grauen Granit und farbige Keramik. Gleichzeitig haben sie Metallarbeiten und neue Fensterrahmen aus Stahl integriert. So entstand, basierend auf dem originalen Entwurf, ein Ensemble aus Fensterbrüstungen aus Glas und Fenstern mit vertikaler Schwenkachse. Dadurch war das Problem der Sicherheit, Lüftung, Sonneneinstrahlung und Isolierung gelöst. Dasselbe gilt für die Reinigung der Fenster, die nunmehr von innen bewältigt werden kann. Denn die Fenster haben drei Öffnungspositionen – 10, 30 und 90 cm.

 

 

Formaler Geist mit neuen Materialien

Die Schließung des Erdgeschosses steht im Einklang mit der Fassade, die an dieser Stelle ursprünglich zurückgesetzt war. Insbesondere kommt bei dieser Gelegenheit der vernietete Eisenträger zur Geltung. Außerdem wurde die ehemalige Überdachung rekonstruiert und eine neue Halle mit einem doppelten Zugangsbereich gestaltet.

 

 

Ferner statteten die Architekten Flur, Podeste und Innenhof mit Materialien wie Glasbausteinen, Keramik, Holz und Stahl aus. Wodurch dem formalen Geist des Entwurfs von Roberto Terradas Via Genüge getan wurde.

 

Flexibilität und angepasste Umgestaltung

Innerhalb der Wohnungen sorgt der vorgeschlagene Grundriss für eine gewisse Flexibilität und einen Ausblick aus den vier Fenstern, die ein einheitliches Ganzes bilden.

Die Dachgeschosse, Veranden und Zwischenterrassen, sowie die gemeinschaftlich genutzten technischen Anlagen, passen sich in ihrer Neugestaltung dem ehemaligen Gebäude und der Umgebung an.

 

 
 
Zur Website von OAB

Credits:
© Portrait Photos: OAB / © Project Drawing: OAB / © Project Photos: Joan Guillamat / © Header Graphic (Photo-Detail): Joan Guillamat
All images by courtesy of OAB.

 

 

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