VHF Unterkonstruktion – Blick hinter die Fassade

7. Mai 2013, in Fassadendesign, Glas, Technik, VHF

Bereits vor einigen Monaten haben wir Medizinische Fachbibliothek in Düsseldorf vorgestellt. Damals lag der Fokus auf der außergewöhnlichen Fassadengestaltung. Heute blicken wir hinter diese schöne Fassade auf die Unterkonstruktion des vorgehängten hinterlüfteten Fassadensystems. Gerhard Weber, diplomierter Metallbautechniker und Geschäftsführer eines Ingenieurbüros für integrale Fassadenplanung hat HPP Architekten bei der Planung maßgeblich unterstützt. Im Interview erzählt er, was in Düsseldorf die besonderen Herausforderungen waren und welche Vorteile eine VHF Unterkonstruktion aus Edelstahl bietet.

 

Gerhard Weber

Gerhard Weber vom Planungsbüro Gerhard Weber & Partner GmbH in Argenbühl.

 

Die O.A.S.E. Düsseldorf ist ein bemerkenswertes Bauwerk. Als erfahrenes Ingenieurbüro für Fassadenplanung haben Sie von Anfang an eng mit HPP Architekten zusammengearbeitet und waren maßgeblich an Entscheidungen beteiligt.

Gerhard Weber: HPP Architekten bat uns, die Planung der Fassade für das Objekt zu übernehmen. Der Architekt wollte eine homogene, fugenlose Fläche schaffen, die die organische Struktur zwischen den transparenten Fassadenelementen belegt. Mosaik bot uns einen realisierbaren Ansatz, eine homogene Oberfläche zu schaffen, die diese kreative Fassadenstruktur mit gerundeten Fassadenelementen und Freiraumflächen ermöglichte. Die nächste Aufgabe bestand darin, die Mosaik-Fenster-Oberfläche für den Hochhausbau bauphysikalisch und brandschutztechnisch abzusichern. Hier kam eigentlich nur das VHF-System StoVentec M infrage. Mit der bauaufsichtlichen Zulassung des Komplettsystems waren die meisten grundlegenden Anforderungen bereits erfüllt. Durch die unterschiedlichen Neigungen in der Fassade mussten wir jedoch eine Lösung finden, die den Wassereintritt hinter die Fassade vermeidet. Durch die enorme Fensterhöhe sammelt sich an den Anschlüssen Wasser, das vor der Fassade ablaufen musste. Wir fanden eine geometrische Lösung mit einer Art Regenrinnensystem. Speziell im unteren Bereich von 1,5 bis 2 m setzten wir dauerelastische Fugen ein, damit von oben fließendes Wasser vor die Fassade geleitet wird.

 

Was war die spezielle Herausforderung bei der VHF Unterkonstruktion?

Gerhard Weber: Das war ganz klar die Planität der Flächen. Für die Unterkonstruktion bedeutete dies, dass sie entsprechend gut justierbar sein musste und die Stabilität gewährleistet war. Besonders wichtig war auch, die Wärmebrücken klein zu halten, um die neue EnEV einhalten zu können. Dies gelang uns über die thermische Trennung der Wandhalter und den Einsatz der Sto-Edelstahl-Unterkonstruktion.

 

Medizinische Fachbibliothek Düsseldorf Eckansicht

Aussteifungen in den Eckbereichen mit horizontalen Traversen garantieren die notwendige Stabilität auch bei starkem Wind.

 

 

In den Eckbereichen haben Sie horizontale Aussteifungen konstruiert. Warum war das notwendig?

Gerhard Weber: Im Hochhausbau haben wir je nach Höhenlage Windlasten, die im Eckbereich doppelt bis dreifach so hoch sind wie bei Gebäuden mit wenigen Geschossen. Wir mussten also entsprechend wirksame Aussteifungen in den Eckbereichen einbauen, die mit horizontalen Traversen umgesetzt wurden. Die hohen, organisch anmutenden Fensterelemente waren teilweise bis an die Ecken platziert. Hier hat sich der Metallbauer eine statische Besonderheit einfallen lassen: auskranende horizontale Edelstahl-Unterkonstruktionen.

 

Gleitpunkthalter der VHF Unterkonstruktion

Die Edelstahl-Unterkonstruktion sorgt für ausreichende Stabilität der Fassade.

 

Vielfach werden auch heute noch Aluminium-Unterkonstruktionen verbaut. Was spricht aus Ihrer Sicht für das Material Edelstahl?

Gerhard Weber: Zum einen natürlich die geringere Wärmeleitfähigkeit von Edelstahl, die beim Thema „Wärmebrücke Wandhalter“ eine entscheidende Rolle spielt. Zum anderen punktet Edelstahl auch beim Thema Stabilität. Das Material bietet bei weniger Materialeinsatz eine höhere Steifigkeit und Stabilität – Eigenschaften, die im Hochhausbau unerlässlich sind. Die Bauteile im Eckbereich sind mit Edelstahl besser zu handhaben und leichter statisch in den Griff zu bekommen. Und ganz klar liegt der entscheidende Vorteil natürlich auch im Brandschutz: Aluminium versagt im Extremfall wesentlich früher, da der Schmelzpunkt deutlich vor dem von Edelstahl liegt.

 

 

Zur Homepage von Gerhard Weber & Partner

Zur Homepage von HPP Architekten

 

Sehen Sie auch unsere Bildergalerie zum Thema VHF:

Schreiben Sie einen Kommentar

*Pflichtfeld