Neuer Tragwinkel als Problemlöser

3. Mai 2016, in Energieeffizienz, WDVS

Steigende Dämmstoffdicken erfordern mitunter Sonderlösungen für wärmebrückenfreie Durchdringungen. Vor allem im Passivhausbau, wo Wärmebrücken zwingend ermittelt werden müssen. Wie das mit einem innovativen Bauteil realisiert werden kann, zeigt ein Wohnbauprojekt im Kontext der weltweit größten Passivhaussiedlung, wo ein neuartiger Tragwinkel zum Einsatz kam.

 

Seit 2009 wächst auf dem 116 Hektar großen Gelände des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofs in Heidelberg ein neuer Stadtteil: die Bahnstadt, der nunmehr 15. Stadtteil der mit knapp 155.000 Einwohnern fünftgrößten Stadt in Baden-Württemberg. Und damit verbunden: die größte Passivhaussiedlung der Welt und eines der umfangreichsten Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland. In unmittelbarer Innenstadt-Lage entstehen sowohl Wohnraum für 5.000 Menschen als auch 7.000 Arbeitsplätze, vor allem in der Forschung und in wissenschaftsbasierten Unternehmen.

Bahnstadt Heidelberg, Foto: Johannes Vogt, Mannheim

Bahnstadt Heidelberg, Foto: Johannes Vogt, Mannheim

 

Herausforderung: Befestigung französischer Balkone

Die 30 Reihenhäuser und drei Geschossbauten mit insgesamt 54 Wohnungen auf dem Baufeld W 1.5, dem zweiten Bauabschnitt der Wohnbebauung an der Promenade, wurden im Sommer 2015 fertiggestellt. Beteiligt waren die Architekturbüros Kaupp + Franck (Mannheim) sowie ap88 (Heidelberg) im Auftrag der Baugemeinschaft Heidelberg Bahnstadt GbR.

 

Wesentliches gestalterisches Element des Gebäudeentwurfs sind zahlreiche französische Fenster mit bündig zur Fassade gesetzten Absturzsicherungen. Da Wärmebrücken, die durch den Einbau von Befestigungen entstehen, bei Passivhäusern zwingend ermittelt werden müssen, bedeuteten die französischen Balkone einen erhöhten planerischen und ausführenden Aufwand. Es galt, die 280 Millimeter dicken Polystyrol-Dämmplatten (Wärmeleitfähigkeit = 0,032 W/(m*K) wärmebrückenfrei zu durchdringen.

 

Bahnstadt Heidelberg, Foto: Johannes Vogt, Mannheim

Bahnstadt Heidelberg, Foto: Johannes Vogt, Mannheim

 

Wärmebrückenfreie Befestigung trotz steigender Dämmstoffdicken

Steigende Anforderungen an den Wärmeschutz führen bei Neubauten häufig zu Dämmstoffstärken von über 160 mm, im Passivhausbau sogar noch weit darüber hinaus. Hier werden wärmebrückenfreie Befestigungen unterschiedlichster Bauteile immer wichtiger. Konventionelle Verankerungselemente wie Holzklötze, Gewindestangen oder Stahlkonsolen sind wenig dauerhaft, werden von Lasten verformt oder bilden Wärmebrücken.

 

Form folgt Funktion

Hier war eine Neuentwicklung gefragt, die schließlich in enger Zusammenarbeit von Baubeteiligten mit dem Sto-Projektmanagement entstand: ein Tragwinkel aus hochfestem Polyurethan-Hartschaum mit einer minimalen Wärmeleitfähigkeit von 0.080 W/(m*K). Der bauaufsichtlich zugelassene Tragwinkel eignet sich für Einbausituationen in der Fensterlaibung und im Sturzbereich. So sind Bauteile wie Schiebe- und Klappläden, Geländer und Absturzsicherungen auch dann wärmebrückenfrei montierbar, wenn statische Nachweise benötigt werden.

 

Sto-Fix Tragwinkel

 

Wirtschaftliche Umsetzung dank Schablone

Auf dem Baufeld W 1.5 fixierte der Stuckateur noch vor den Dämmarbeiten rund 1.100 der Tragwinkel auf den Betonaußenwänden. Für die Positionierung der Elemente wurde eine Metall-Schablone erstellt; mit der die Geländer schnell und wirtschaftlich auf der immer gleichen Höhe und mit dem stets gleichen Abstand zum Fenster angebracht werden konnten. Nach dem flächenbündigen Einbetten der Winkel in den Dämmstoff und der Belegung der Fläche mit Armierungsgewebe und -putz, wurden die Geländer – ebenfalls mit Hilfe einer Schablone – durch den Schlosser am Tragwinkel montiert. Die statische Leistungsfähigkeit der Konstruktion erlaubt bis zu 3 Meter lange französische Balkongeländer.

 

Bildergalerie

 

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