Vorhang auf fürs Musiktheater in Linz

28. Aug 2013, in Fassadendesign, Glas, Objektberichte, Stein

Musiktheater Linz

Linz ist als Industriestadt groß geworden. Aber auch Kultur kam in der von Fabriken, Schornsteinen und Arbeiterwohnanlagen geprägten Stadt nie zu kurz, denn die dort lebenden Menschen sollen emotional zurückbekommen, was sie seit Jahren für die Stadt erarbeiten. Um einen Teil dessen zu erfüllen, wurde im Frühjahr 2013 das vom englischen Stararchitekten Terry Pawson geplante Musiktheater eröffnet.

Opern, Theaterstücke, Musicals, Studioaufnahmen, Kammermusik – wer beim Musiktheater Linz an perfekte Akustik denkt, hat zuerst das ausgeklügelte „Innenleben“ des Gebäudes im Kopf. Das enorme Bauwerk, in dem mehr als 1.200 Menschen Platz finden, beeindruckt nicht nur als hochkomplexe Kulturstätte für seine optimale Akustik, sondern auch durch seine architektonische Eigenwilligkeit.  2006 wurde vom Land Oberösterreich ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, den das britische Büro Terry Pawson Architects für sich entscheiden konnte. An der Umsetzung waren ab 2009 auch die österreichischen Büros ArchitekturConsult und archinauten l Dworschak + Mühlbacher Architekten beteiligt.

Der Haupteingang – Glas und Marmor bestimmen hier die Optik.

 

Der Haupteingang des Gebäudes liegt auf einer vorgelagerten Plattform, die ideell die Verbindung zwischen Volksgarten und Kultur darstellt. Der Außenbereich des Operncafes liegt auf der Terrasse und ist auch für die Parkbesucher zugänglich. Die Zwischenzone, die dadurch entsteht, soll das Interesse der Passanten auf den Vorstellungsbetrieb wecken und gleichzeitig als eine Art öffentliches Wohnzimmer für die Linzer Bevölkerung dienen. Das Opernhaus wird sozusagen zum „open house“. Um dies zu erreichen, musste extra die Straße verlegt werden.

Ein Blick auf die Fassade – Travertin mit rauer Oberfläche und weißer Architekturbeton.

 

„Vorhänge“ für Innen und Außen
Die Öffnung zum Park wird auch durch die Materialität der Eingangsfront bestimmt. Die gläserne Fassade teilt den Bereich in schmale, vertikale Felder. Über dem Eingangsbereich verstärkt ein überdachter Bereich die Tiefenwirkung des Betrachters, so als würde er ins Innere gezogen werden. Über der Loggia bilden die vorgeblendeten Lisenen ein eigenständiges Element, welche aber mit der Hauptfassade in Verbindung stehen.

Die Fassade des Bauwerkes stellt – laut dem Konzept von Pawsen – im metaphorischen Sinn einen Theatervorhang dar, der um das Gebäude gezogen wurde. Er soll das Musiktheater als Kulturinstitution mit dem Stadtgeschehen verbinden. Nur im Eingangsbereich zum Park hin ist dieser geöffnet. Ursprünglich aus Corten-Stahlt geplant, wurde dieser „Vorhang“ schlussendlich als Steinfassade mit rauer Oberfläche und weißem Architekturbeton realisiert. Süd- und Ostfassade bilden miteinander eine Rundung aus, die dem riesigen Gebäude eine besondere Dynamik verleiht.

Das Vorhangthema findet sich auch im Inneren des Gebäudes wieder. Egal ob als Wandelemente, wie im Operncafe, oder als Trennelemente, wie etwa im Foyer. Dort wurde seitlich der Haupttreppe in den oberen Bereich ein Schleier aus vertikalen Holzlamellen gezogen, der die Gänge vor dem Auditorium vom Foyer zwar räumlich trennt, diese allerdings visuell und akustisch wiederum durchlässig wirken lässt. Diese Gestaltungsidee wurde auch im Großen Saal umgesetzt. Hier wurden die Sitzplätze vom halböffentlichen Bereich durch ein vorhangartiges Element aus vertikalen Metallröhrchen getrennt.

Das Operncafe im Inneren des Gebäudes.

 

Mehr Infos über Terry Pawson Architects: www.terrypawson.com

Mehr Infos über ArchitekturConsult: www.archconsult.com

Mehr Infos über archinauten l Dworschak + Mühlbacher Architekten: www.archinauten.com

Fotos: Christian Schellander

 

Schreiben Sie einen Kommentar

*Pflichtfeld

3 Kommentare

  1. 26. Sep 2013, 12:59 pm erstellt von Junger Beer

    Gebäude schaut fantastic aus. Gratuliere Architekt!
    LG

  2. 2. Okt 2013, 12:57 pm erstellt von Kathrin Vesely

    Guten Tag,
    ich habe mir das Gebäude persönlich angeschaut und kann nur sagen; eine sehr gelungene Architektur und eine absolute Bereicherung für die Stadt! Gratulation!
    Beste Grüße Kathrin Vesely

    • 2. Okt 2013, 1:49 pm erstellt von Martina Magnet

      Liebe Frau Vesely,
      vielen Dank…in diesem Fall gilt das besondere Lob wohl den Architekten. Wir durften bei diesem Projekt die Akustikdecken und Bodenbeschichtungen im Inneren des Musiktheaters und im Garagenbereich beisteuern.