Neuer Raum für Kunst aus aller Welt

18. Jul 2014, in Interviews, Objektberichte

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Das Museum der Völker in Schwaz in Tirol

Nach zehn Monaten Umbauzeit eröffnete im April 2013 das neue Museum der Völker in Schwaz in Tirol. Nach 18 Jahren ist die Ausstellungsfläche zu klein geworden, darum musste ein Zubau her. Nun bieten 1.000 Quadratmeter genügend Ausstellungsfläche für die von Gert Chesi gesammelten Artekfakte aus aller Welt. Bei der Sanierung wurden nicht nur die bestehenden Räumlichkeiten umgebaut, auch ein neuer kubischer Zubau bietet nun mehr Platz. Wir sprachen mit dem Architekten, Peter Mayerhofer, über die An- und Herausforderungen, Kunst eine neue Heimat zu geben und wie er Tradtion und Moderne kombiniert.

 

Das Museum der Völker wurde mit den Jahren schlichtweg zu klein für die vielen Ausstellungsstücke und brauchte dringend neuen Raum. Das Land Tirol ist Eigentümer des Museums der Völker. Die Verbindung Altbestand mit Neubau war sicher eine Herausforderung. Welche besonderen Anforderungen an die Planung lagen in diesem Fall vor?

Peter Mayrhofer: Einerseits musste die Behandlung eines historischen Gebäudes – das Kloster wurde unter Kaiser Maximilian errichtet – berücksichtigt werden, andererseits galt es die differenzierten Nutzungen des Gebäudes optimal zu vereinen. Das Gebäude ist nicht nur Museum, sondern auch die Jugendwohlfahrt des Landes nutzt den Altbestand für betreute Wohngemeinschaften. Ein Museum hat völlig andere Ansprüche. Das Land Tirol hat zusätzlichen Flächenbedarf für die Jugendbetreuung angemeldet, somit war es erforderlich, die internen Räume im EG und den Innenhof von Ausstellungsflächen frei zu räumen. Der Ersatz für die Fehlflächen ist nun in einem autonomen Zubau zu finden.

Zudem sollten – nach Maßgabe des engen finanziellen Rahmens – die bestehenden Funktionen des Museums unverändert genutzt und in den Gesamtablauf integriert werden. Die Anbindungen in verschiedenen Niveauebenen, die Durchfahrt für die Feuerwehr, Parkplätze, Anordnung der Technik-Anlagen etc. – das alles galt es zu berücksichtigen. Auch die Nachnutzbarkeit des Neubaues für evt. andere Zwecke musste gewährleistet sein. Die Adaptierungsarbeiten am Kloster wurden durch Erkenntnisse der Bauforschung unterstützt, die es zu beachten galt. Das Museum stellt nun eine Art zusätzlichen, freistehenden Behälter für Kunstobjekte dar, der den Flächenbedarf für Ausstellungsflächen entsprechend dem Ausmaß vor dem Neubau wiederherstellt.

 

Das Museum der Völker beheimatet Artefakte aus allen Teilen der Welt.

Das Museum der Völker beheimatet Artefakte aus allen Teilen der Welt.

Das Museum beinhaltet Artefakte aus aller Herren Länder; ein Sammelsurium an Besonderheiten, Außergewöhnlichem und Kulturellem. Innen dominieren Verzierungen, Schnörkel und Details – die Fassade allerdings, mit ihrer feinen Putzstruktur und den klaren Linien, strahlt Schlichtheit und Zurückhaltung aus. Sollte der Baukörper bewusst Kontrast zum bunten und eigenwilligen Innenleben darstellen?

Peter Mayrhofer: Der Grundgedanke der Gestaltung ist, nicht an der Vielfältigkeit der ausgestellten Objekte teilzunehmen, sondern einen sehr ruhigen, gelassenen Körper zu errichten, der nicht in Konkurrenz mit den Kunstgegenständen aus aller Welt tritt. Der Baukörper gibt sich demnach äußerst zurückhaltend, was meines Erachtens auch der kleinteiligen Umgebung zugute kommt. Der Anbau tritt nur als großflächiges „Symbol“ in Erscheinung. Die Geschlossenheit des Baukörpers verkörpert auch das Ziel des Museumsbetreibers, sich durch keinerlei Einflüsse von Außen in der Betrachtung der Artefakte ablenken zu lassen, sozusagen in eine eigene Welt einzutauchen, fernab von Alltag und Umgebung. 

 

Die integrierte Beleuchtung hebt den Zubau auch bei Dunkelheit hervor.

Die integrierte Beleuchtung hebt den Zubau auch bei Dunkelheit hervor.

Welche Rolle spielt die Farbgebung des Gebäudes und die Beleuchtung?

Peter Mayrhofer: Die äußere Farbgebung entspricht der des bestehenden Kirchturms aus dem 16. Jahrhundert. Ursprünglich war schwarz geplant, diese Farbe konnten wir jedoch weder der Stadtgemeinde noch den Nachbarn gegenüber durchsetzen. Die Farbe ist nun sehr ruhig und zurückhaltend und steht auch nicht in Konkurrenz mit dem Kloster.

 

Wie schafft man es, moderne Architektur mit traditionell gebauten, klassischen Gebäuden zu vereinen.

Peter Mayrhofer: In diesem Fall war es wichtig, den zusätzlichen Baukörper in ruhiger Weise freistehend und ohne intensive Anbindung an den Altbestand zu arrangieren.  Neubauten in Beziehung zu historischen Gebäuden sollten immer zwei Kriterien erfüllen: zeitgemäße, selbstbewusste und zurückhaltende „Eigen-Erscheinung“ und respektvolle Distanz zu den Altbeständen.

 

Klare, einfache Strukturen bezeichnen den Zubau des Museums.

Klare, einfache Strukturen kennzeichnen den Zubau des Museums.

Das Museum ist eine Konzentration aus Weltkultur und Tradition – wie geht man als Architekt damit um?

Peter Mayrhofer: Der Zubau beschäftigt sich nicht offensichtlich und in plakativer Weise mit diesem Gedankenansatz, sondern ist als autonomer, unabhängiger Baukörper zu sehen, der die Ausstellungsgegenstände schützt, bewahrt und in seinem Inneren beherbergt – als kleinen Ausschnitt aus der ganzen Welt.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Fotos: Christian Schellander

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