Der vertiefte Blick auf das was ist

17. Dez 2015, in Farbe, Fassadendesign, Interviews

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Seit Anfang der 90iger Jahre arbeiten Sabina Lang und Daniel Baumann unter dem Label L/B im Schweizer Burgdorf als Künstlerpaar zusammen. Ihr Werk überrascht durch seine mannigfaltigen Materialien und Medien, Verwirrung und Verzauberung ist Teil des Programms. L/B fordert die Wahrnehmung der Betrachter heraus, die nicht selten auf die Welt der Architektur gelenkt wird. Im Visier steht dabei auch das Thema Fassade.

 

 

Architektur und urbane Räume sind zentrale Themen in Ihrem Werk. Was ist für Sie das Besondere daran?

L/B: Es stimmt, dass wir uns hauptsächlich auf Räume fokussieren. Wir haben uns jedoch durchaus auch mit anderen funktionellen Objekten, z.B. vereinzelt mit Möbeln, Kleidern oder Spielen bzw. Spielgeräten befasst. Wir vermuten, dass unsere Faszination für Architektur mit der Dimension zusammenhängt sowie mit der Beziehung zwischen Mensch und Raum: Bei der Architektur ist es so, dass man sie nicht wie ein Objekt frontal anschaut, sondern sie durchschreitet und dabei ständig die Perspektive wechselt, von ihr umgeben ist oder sie aus der Distanz wahrnimmt. Außerdem ist die Architektur immer eingebettet in eine bereits bestehende Umgebung. Und dieser Blick auf das Umgebende und das Gebaute scheint uns erkundungswürdig, da es schwerer zu erfassen ist. Hinzu kommt, dass Architektur auch Macht und Größe symbolisiert. So gesehen kann eine Intervention – in der Art wie wir es zum Beispiel betreiben – auch subversiv gelesen werden.

In der Schweiz konnte man dieses Jahr im und am Haus für Kunst Uri und dem dazugehörigen Danioth Pavillon eines Ihrer neuesten Werke erleben: Beautiful Tube #4. Das ist ein sehr architektonisch wirkendes Tunnelsystem, das angefangen mit der Fassade eigentlich das gesamte Bauwerk “beschlagnahmt”. Was können Sie uns zur Entwicklung dieses Projekts sagen? Wie funktioniert es?

L/B: Wir wurden für eine Einzelausstellung im Haus für Kunst Uri eingeladen. Das Museum liegt im beschaulichen Hauptort des Bergkantons Uri und besteht aus diversen zusammengebauten Gebäudeteilen unterschiedlicher Epochen. Wir suchten nach einem Weg dieses heterogene Raum- und Fassadengebilde mit einer Installation zu verbinden und auf diese Weise die Architektur auch ein wenig zum Verschwinden zu bringen. Da wir uns in der Zeit davor vermehrt mit “angedockten“, fast parasitären Strukturen beschäftigt hatten, entwickelten wir diesmal eine solche Struktur, die sich durch das ganze Haus windet. Neu hinzu kam der Gedanke, die Struktur auch innen begehbar zu machen. Jeder Raum sollte einmal durchquert werden und sowohl Ein- und Ausstieg sollten im Außenraum liegen. Dadurch wurde den Besuchern ermöglicht, das Haus für Kunst komplett mit Hilfe einer Art von Tunnelsystem zu durchlaufen, ohne etwas von den Ausstellungsräumen zu sehen. Gleichzeitig war es möglich, die Museumsräume real zu besuchen und der Außenseite der Struktur in den Innenräumen zu folgen.

2015-06_BeautifulTube4_01NBBeautiful Tube #4 – 2015 Haus für Kunst Uri, Altdorf CH. Photo und Bild © L/B

 

Wie sind Sie eigentlich an die Proportionen dieser recht weitläufigen Installation herangangen?

L/B: Maßgebend für die Dimensionierung war die kleinste Fensteröffnung, die durchdrungen wurde. Dies führte zu einer Breite von 90 cm und einer Höhe von 130 cm für die gesamte Struktur. Die Besucher mussten also in geduckter Haltung durch den insgesamt fast 100 m langen Tunnel laufen. Dabei mussten auch die Höhendifferenzen der beiden Stockwerke überwunden werden, wofür Metallleitern an den vertikalen Stellen angebracht waren. Bei jeder Biegung im Innern gab es ein kleines Deckenfenster, das schwaches Licht in den dunklen Korridor abgab. Ansonsten war das Innere wie auch das Äußere komplett schwarz lasiert. Von Außen betrachtet erzeugte die schwarze Installation so einen maximalen Kontrast zu den ansonsten leeren “white cubes” der Museumsräumlichkeiten. Im Innern sah man fast nichts. Den Besuchern stand es frei, sich mit oder ohne Stirnlampe ins Innere zu begeben.

Ob mit oder ohne Stirnlampe – was sind für Sie die interessantesten Reaktionen gewesen?

L/B: Für viele Besucher bedeutete das Erkunden des Tunnels eine Herausforderung, wobei jedoch fast bei allen die Neugierde siegte und sie ihre Angst vor Dunkelheit, Enge und Klettern überwinden konnten. Interessant war es zu beobachten, wie die unterschiedlichsten Personen, also Kinder, Kunstpublikum und auch ältere Leute sich in das Wagnis hineinbegaben.

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2015-06_BeautifulTube4_06NBBeautiful Tube #4 – 2015 Haus für Kunst Uri, Altdorf CH. Photos © L/B

 

Körperliche Interaktion kommt ja in mehreren Ihrer Projekte vor. Was ist Ihnen dabei wichtig?

L/B: Durch das Benutzen – in Uri z.B. durch die physische Überwindung der Höhen oder der Länge des Korridors und seine vielen Windungen – kann ein zusätzliches Verständnis für die Dimension einer Arbeit entstehen. Dies führt zu einem räumlichen Bild, einer zweiten Ebene, wie man ein Werk wahrnehmen kann und diese Erfahrung kann dann das Sehen in Frage stellen oder ergänzen. Dieser Punkt der Vielschichtigkeit an möglichen Zugangsarten interessiert uns.

Ihre Arbeit hat also auch einiges mit Psychologie zu tun?

L/B: Psychologie ist sicherlich ein Bestandteil, aber nicht in dem Sinne, dass die Besucher einem Experiment ausgesetzt werden und geschaut wird, wie sie darauf reagieren. Wir analysieren den Ort und die Situation vorgängig und gehen von unserem eigenen Anspruch als Betrachter aus, den wir im Anschluss überprüfen.

Beautiful Tube #4 scheint eine natürliche Weiterentwicklung von Up #1 zu sein und Up #1 hat allein schon rein visuell einiges mit Comfort #12 zu tun usw. Kann man sagen, dass es eine sehr starke organische Vernetzung innerhalb Ihrer Arbeiten gibt und dass darin auch eine gewisse Methodik liegt? Ein gewisses Spiel nach Regeln?

L/B: Ja, das sehen wir auch so, dass es immer wieder Querverbindungen gibt: Up #1 war ebenfalls eine Weiterführung von Spiral #3 und als verwandtes Thema griffen wir es schon ab 2007/2008 für die Comfort Serie auf, indem wir gerade Schläuche durch die Fassaden von Gebäuden hindurch woben. Jedoch ist es in unserer Praxis weniger eine strikte Methodik als vielmehr ein Ausloten der Möglichkeiten. Eins führt zum nächsten und die Spielregeln müssen laufend angepasst werden.

2014-08_UP1_SIC_12NB2013-03_Spiral3_Chile_01NB_photo_Antonio Corcuera Up #1 – 2014 sic! Raum für Kunst Elephanthouse, Luzern CH. Photo © L/B

Spiral #3 – 2013 Monjas, Valparaiso CL, Of Bridges & Borders. Photo © Antonio Corcuera

 

Viele Ihrer Arbeiten irritieren, verblüffen, verzaubern oder machen ganz einfach Spaß. Die Wahrnehmung der Betrachter bzw. Teilnehmer ist aber immer gefordert. Was interessiert Sie am Thema der Wahrnehmung am meisten und wie arbeiten Sie damit, wie beziehen Sie sie ein?

L/B: Wahrnehmung ist wie eine Ansammlung verschiedener Komponenten, die jeder für sich zusammenfügen muss, um ein Bild zu erhalten. Wir streben nicht an, eine bestimmte Aussage zu machen. Vielmehr fügen wir etwas ein, das sich in einen Gesamtkontext einfügt, aber dennoch keinen Sinn macht. Beispielsweise die passgenauen Korridore, die alle Tür- und Fensteröffnungen miteinander verbinden, welche wir beim Grand Palais (Open #1) eingefügt haben: Der Betrachter kann unsere Intervention nachvollziehen und sieht, wie im Titel suggeriert wird, ein vollständig geöffnetes und durchlässiges Haus vor sich. Eigentlich verhält es sich jedoch genau umgekehrt: Der Innenraum des Gebäudes ist vollständig verschlossen und wird unerreichbar. Es geht wohl auch um einen vertieften Blick auf das was ist und die Fragen dazu, weshalb es so ist, wie es ist.

2012-06_Open_GrandPalais_01NB2012-06_Open_GrandPalais_PLAN2NBOpen – 2012 Grand Palais, Bern CH. Photo und Bild © L/B

 

Das Berner “Grand Palais”, von Ihnen 2012 temporär bearbeitet, war ein ehemaliges Wartehäuschen, das für gewöhnlich als Ausstellungsraum verwendet wird. Bei Ihrem Projekt haben Sie es mit Tunneln perforiert, die regelrecht zum Durchkrabbeln auffordern. Glauben Sie, dass man auch in der “wirklichen” genutzten Architektur “Verspieltheit” durchaus ernst nehmen und mehr davon wagen sollte?

L/B: In der Architektur sollte Verspieltheit gut durchdacht sein. Es muss ein zwingender Teil des Baukörpers sein und darf nicht beliebig appliziert werden… Im Unterschied zu unseren Arbeiten, die ja oft temporär angelegt sind, muss sich die Architektur über viel längere Zeiträume behaupten. Trotzdem interessiert uns ein experimenteller Ansatz in der Architektur sehr, sowohl zeitgenössisch als auch historisch. Besonders gut sehen kann man das in Japan, wo der Begriff von Beständigkeit eine andere Bedeutung hat als bei uns und wo Bauten für eine kürzere Lebensdauer geplant werden. Der experimentellere Umgang mit leichteren, z.T. auch „billigeren“ Materialien – zusätzlich zu der verdichteten Bauweise in den Städten mit Häusern auf kleinstem Raum -, ist faszinierend. Wie zum Beispiel die diversen Polizeiwachen in Tokio, welche als experimentelle Mini-Pavillons konzipiert sind, aber auch metabolistische Projekte wie der Nakagin Capsule Tower von Kisho Kurokawa aus dem Jahre 1972.

Auffällig an Ihrem Werk ist auch Ihre Beschäftigung mit dem Medium Farbe. Was fasziniert Sie am meisten an Farbe?

L/B: Uns begeistert an Farbe, dass sie so einfach anzuwenden ist. Ähnlich wie bei unseren aufblasbaren Arbeiten, können wir mit wenig Material eine große Wirkung erzeugen. Die strikte Limitierung hierbei auf das Zweidimensionale ist einschränkend und „ermöglichend“ zugleich. Da wir ausschließlich „flach“ malen – also ohne Pinselduktus und weder mit dickem, pastosem oder transparentem Farbauftrag – verwenden wir Farbe nicht als spürbare Materie, sondern als ebene, farbintensive und kontrastierende Flächen. In diesem vermeintlich begrenzten Spielraum lässt sich allerdings viel erreichen, bis hin zur fast räumlichen Dekonstruktion der Fläche. Das alte und faszinierende Spiel mit der Täuschung…

Beim Thema Farbe überschreiten Sie gerne architektonische Grenzen, siehe Ulmbergtunnel in Zürich oder auch die Straßen von Vercorin. Was reizt Sie an Straßenmalerei?

L/B: Die Straße ist einerseits flach wie eine Innenwand, andererseits wird sie befahren, beschritten, überquert und ist dadurch voller Bewegung. Weil sie zudem unter unseren Füßen liegt, ist es oft schwer, sich überhaupt einen Überblick über das Gesamtbild dieser Fläche zu verschaffen.

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2012-05_StreetPainting3_01NBStreet Painting #3 – 2012 Fussgänger- und Velo-Unterführung Ulmbergtunnel, Zürich CH. Bild und Photo © L/B

 

Ihre polychrome Verwendung von Farbe ist mit graphisch-markanten Mustern bzw. Kompositionen durchsetzt wie etwa bei Beautiful Walls #22 für das Treppenhaus der Kunsthalle Bern. Welche Funktion haben Farben im Allgemeinen und Muster im Besonderen in Ihrer Arbeit?

L/B: Wir entwickeln oft geometrisch konstruierte Zeichnungen, die wir exakt für die vorgesehenen Flächen oder Räume anfertigen. Meistens wählen wir kontrastreiche matte Farben in Kombination mit einer dynamischen, sperrigen Geometrie. Es geht uns darum, die Malerei so räumlich wie möglich wirken zu lassen und dabei den Raum scheinbar aufzulösen. Der Betrachter kann sich im Delirium verlieren oder empfindet zumindest ein „wankendes“ Gefühl.

2012-02_BeautifulWalls22_06NBBeautiful Walls #22 – 2012 Kunsthalle, Bern CH, The Old, the New, the Different. Photo © L/B


Gibt es eigentlich Architekten, die für Ihre Arbeit wichtig waren?

L/B: Oscar Niemeyer hat uns immer inspiriert. Seine atemberaubend konstruierten Formen, sein Anspruch, Bauten als eine dynamisch organische Hülle zu gestalten, die dem Außen wie dem Innen die gleiche Bedeutung widmen. Zudem versuchte er ein fließendes Gesamtbild zu erfinden. Leider kennen wir die meisten seiner Bauwerke nur von Abbildungen und Zeichnungen. Im letzten Mai hatten wir Gelegenheit in Havanna die Kunstschule von Ricardo Porro, Roberto Gottardi und Vittorio Garatti zu besuchen. Auch dies eine faszinierende, karibische Variation der Moderne, die sehr befreiend wirkt.

Wenn Sie von einem Architekturbüro zur Zusammenarbeit eingeladen würden, für ein neu zu realisierendes Projekt die Gestaltung einer Fassade zu übernehmen, mit der Option freie Hand und die Kontrolle darüber zu haben … würden Sie zusagen?

L/B: Es fällt uns sehr schwer hypothetisch hierzu eine Aussage zu machen. Es käme auf die Architekten, ihre Ideen, die Situation, die Mittel und Möglichkeiten an, was und wie wir es machen würden. Vielleicht können wir hier aber einige grundsätzliche Aussagen über unsere Arbeitsmethodik machen… für die Planung verwenden wir ähnliche Hilfsmittel wie Architekten: Zeichnungsprogramme, Skizzen, Modellbau. Jedoch haben wir eine Abneigung gegenüber „Inspiration Walls“, die man in manchen Architekturbüros und Künstlerateliers findet, wo Bildvorlagen gesammelt werden, die dann vielleicht Ideen liefern für allfällige Problemzonen, die man bis zum Schluss ausklammert. Gerade in der Fassadengestaltung heutiger Bauwerke begegnen uns oft Spuren einer solchen „Bedienungsunkultur“, die sich in zufälligen öden Mustern oder plumpen Formen spiegeln. Das sieht dann aus wie 90er Jahre-Photoshop aufs Haus gestempelt. Von der Farbgebung wollen wir gar nicht erst reden… Bei Kooperationen mit Architekten für Neubauprojekte schätzen wir es, wenn wir in einer frühen Phase herangezogen und in den Gesamtprozess integriert werden. Dies einerseits, um die Idee der Architektur zu verstehen, im Dialog mit den Architekten zu sein und um andererseits genügend Zeit zu haben, unsere Arbeit ins Ganze zu integrieren, sowohl technisch wie auch als Idee.

Was bei Ihren Fassadenarbeiten am häufigsten anzutreffen ist, ist die aufgeblasene Schlauchkonstruktion. Comfort #4 in Paris z.B. hat etwas Dekorativ-Verschlungenes und wirkt fast wie ein dreidimensionales Graffiti. Wozu überhaupt aufgeblasene Installationen? Was “gewinnen” die Fassaden durch diese Luftschläuche?

L/B: Die Comfort-Schläuche erlauben uns, mit wenig Aufwand und doch großem Volumen an das Gebäude heranzutreten, ohne es baulich zu verändern. Bei vielen Arbeiten, wie bei Comfort #3 und #4, werden die Schläuche durch die Architektur geformt, indem sie deformiert werden. Was da also passiert ist ein Ineinandergreifen und eine Überlagerung von Architektur und Kunstwerk. Bei den neuesten Arbeiten, Comfort #13 und #14, haben wir bewusst ganz einfache, aufgesetzte Strukturen verwendet. Hierdurch wurde der Gegensatz zwischen den aufblasbaren Strukturen und der Architekturstruktur herausgestrichen bzw. zum tragenden Thema.

2010-10_NuitBlanche_Paris_3NBComfort #4 (Paris) – 2010 Ecole Elementaire de Belleville, Paris F, Nuit Blanche. Photo © L/B

 

Nach all Ihren Erfahrungen mit Architekturfassaden und -wänden: Was bedeutet für Sie, aus Künstlersicht, eine Architekturfassade? Was für Potentiale sehen Sie in ihr?

L/B: Fassade leitet sich ja ursprünglich vom lateinischen „facies“ – Angesicht – ab und ist somit das Gesicht eines Gebäudes. Oberflächen bergen immer Stoff für Spekulationen, da wir aber gleichenteils am Flächigen wie am Räumlichen interessiert sind, versuchen wir, auch der Tiefe der „Außenhaut“ Beachtung zu schenken. Wie z.B. bei der Arbeit Beautiful Steps #2 (2009), einer kleinen Metalltreppe, die zwei falsche Türen hoch oben an einem Hochhaus miteinander verbindet: eine sinnlose Geste – formal eher schmucklos und schlicht -, die in überhaupt keinem Zusammenhang steht mit der realen Funktion oder dem Innenleben des Baus, jedoch Raum lässt für spekulative Geschichten und Szenarien.

Gibt es Fassaden, die Sie besonders beeindruckend finden?

L/B: Beim vorhin genannten Hochhaus, Kongresshaus Biel von Max Schlup aus dem Jahre 1966, das wir schon länger gut kannten, hat uns die Architektur und insbesondere die Fassade sehr interessiert, weil ihr eine Art Täuschung innewohnt: Der Fensterraster an der Fassade entspricht nicht den Geschosshöhen, sondern ca. drei Fenstern übereinander pro Etage. Dadurch wirkt das Haus viel dramatischer und höher als es eigentlich ist. Meistens zieht uns nicht so sehr die Fassade in den Bann, sondern der Bau als Gesamtes.

2009-08_BeautifulSteps2_1NBBeautiful Steps #2 – 2009 Biel-Bienne CH, „Utopics. 11. Schweizerische Plastikausstellung“. Photo © L/B

 

Und wie steht es mit Bautypen, die Sie besonders reizen?

L/B: Wir würden gerne einmal ein rotierendes Haus realisieren, Pläne dazu gibt es bereits! Leider konnte das Projekt aber nie realisiert werden. Uns interessiert besonders daran, wie sich so die Aussicht und das Licht in den Räumen verändern lässt. Bei unserem Hotel Everland, einem mobilen Einzimmer Hotel – 2002 gebaut und anschließend in der Schweiz, in Leipzig sowie in Paris aufgestellt – haben wir erfahren, wie sich eine veränderte Aussicht auf den Innenraum auswirkt und wie interessant dies sein könnte. Natürlich gibt es auch viele anregende Beispiele wie die Villa Girasole nahe Verona des Ingenieurs Angelo Invernizzi von 1930 …

Baumgarten betrachtete die Ästhetik als “die Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis”. So gesehen passt Ihr markantes Titelattribut „Beautiful“ perfekt zu dieser philosophischen Definition. Was bedeutet Ihnen diese Werksbezeichnung?

L/B: Unsere Titelgebung bezieht sich auf bewusst oberflächliche Weise auf gewisse äußere Parameter des Werkes: Steps, Walls, usw. in Verbindung mit Beautiful und jeweils einer Nummer. Schönheit wird ja sehr stark mit Oberfläche in Verbindung gebracht und dies bringt „Beautiful“ als leere Hülse gut zur Geltung. Trotzdem betrachten wir das sinnliche Erkunden als Denkerweiterung. Im Idealfall führt sie gar zu Erkenntnis.

Frau Lang und Herr Baumann, vielen Dank für dieses Interview!

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Photo © L/B

 

 

Kopfgrafik: Photo © L/B

Zur Website von Lang Baumann L/B

 

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