Allison Dring von Elegant Embellishments – Deutschland ist ein risikoscheues Land

24. Feb 2017, in Interviews

Allison Dring und Daniel Schwaag. Courtesy of Elegant Embellishments. Foto © Philipp Langenheim / philipplangenheim.com

Allison Dring und Daniel Schwaag. Courtesy of Elegant Embellishments. Foto © Philipp Langenheim / philipplangenheim.com

 

 

Allison Dring von Elegant Embellishments fühlt sich gut aufgehoben in der Welt der Zwischenbereiche und räumlichen Übergänge. Daher nehmen Gebäudehüllen einen besonderen Stellenwert in ihrer Arbeit ein. Prosolve370e, ein mit Titandioxid beschichtetes Fassadenmodul, ist ein dekorativer Ausdruck davon.  Erstmals erprobt wurde das Design als Fassadeninstallation an einem Krankenhaus in Mexico City. Und das mit großem Erfolg. Umso erstaunlicher ist die zögerliche Resonanz aus dem Inland.

Die Firma hat Allison Dring nach ihrem Studium an der Bartlett School of Architecture in London zusammen mit Daniel Schwaag gegründet. Seit 2008 leben und arbeiten beide Architekten in Berlin. Elegant Embellishments widmet sich dem Zusammenhang zwischen Oberflächenelementen im städtischen Raum, Materialentwicklungen und Luftverschmutzung. Neuestes Ergebnis dieser Bemühungen ist ihre Erweiterung mit der Firma Made of Air.

 

Elegant Embellishments wurde 2006 von Ihnen und Daniel Schwaag in London gegründet. Wie kam es dazu, dass Sie vor einigen Jahren nach Berlin gezogen sind?

 

Allison Dring: Wir sind beide Architekten, getroffen haben wir uns während unseres Studiums an der Bartlett School of Architecture in London. Diese gemeinsame Erfahrung hat uns sehr geprägt. Die Bartlett ist eine Architekturschule, die sich sehr ernsthaft mit der räumlichen Gestaltung von Umgebungen befasst, weniger mit dem Beruf des Architekten … Am Anfang stand die Idee, ein Modul bzw. eine Einheit herzustellen. Es sollte sich an verschiedenen Stellen der Stadt ausbreiten oder verringern können als eine Art Bauprodukt, statt eines eigentlichen Gebäudes. Weswegen wir 2006 um diese Idee herum eine Firma gegründet haben, das Büro Elegant Embellishments. 2008 sind wir nach Berlin gezogen, wo es diese Absonderlichkeit des leeren Raums gab … und genau das war alles was wir brauchten um zu forschen, die Dinge reifen zu lassen, Prototypen zu entwickeln und als Firma zu wachsen.

 

Fassaden und In Between

Wenn man sich Ihre Produkte anschaut, kann man sagen, dass Sie sich damit in Übergangsbereichen bewegen. Was denken Sie über den Zustand des ‚Dazwischenseins‘?

 

Allison Dring: Also ich fühle mich recht wohl in diesem ‚in between‘, inmitten der Zwischenbereiche. Denn es ist genau diese Hybridität des Materiellen/Immateriellen oder des Öffentlichen/Privaten woran sich zeigt, wie sehr die Räume eigentlich miteinander verbunden sind.

 

Und Fassaden oder Oberflächen im Allgemeinen sind ja nichts Anderes als derartige Übergangszonen …

 

Allison Dring: Ja, ich denke, Fassaden haben den Vorteil, dass sie Identität verleihen. Aber sie tun auch mehr als das, sie haben die Möglichkeit auch etwas zu leisten. Und wir schenken Fassaden unsere Aufmerksamkeit.

 

Prosolve370e -Torre de Especialidades, Mexico City. Courtesy of Elegant Embellishments. Foto © Alejandro Cartagena

Prosolve370e -Torre de Especialidades, Mexico City. Courtesy of Elegant Embellishments. Foto © Alejandro Cartagena

 

Modular, aperiodisch und organisch

Kommen wir zu Ihrem ersten Projekt: Prosolve370e. Das ist eine Art von perforiertem Vorhang gegen die Luftverschmutzung. Entworfen wurde er für verschiedene Arten von urbanen Flächen und so auch für Gebäudehüllen. Wie begann Prosolve370e?

 

Allison Dring: Bei Prosolve ging es uns um Modularität bei Gebäuden und Städten. Wir wollten eine Modularität schaffen, die die Wiederholung vermeidet und wie willkürlich erscheint, ohne maßgeschneidert zu wirken. Das war eine enorme Aufgabe, wenn man die Macht wirtschaftlicher Entscheidungen in der Architektur bedenkt … der Großteil der Industrie richtet sich ja nach rechtwinkligen, zweidimensionalen und kosteneffektiven Wandverkleidungen.

 

Penrose Parkettierung und Islamische Mosaiken

Welche Art von Entwurfsmethoden oder Programmen nutzen Sie, um diese spezielle ‚Modularität ohne Wiederholung‘ zu erhalten?

 

Allison Dring: Unsere Modularität ist aperiodisch, d.h. wir können zwar durchaus zwei sich wiederholende Elemente haben … wenn man aber das übergeordnete Muster betrachtet, wiederholt sich nichts. Dieses Prinzip findet sich auch in Quasikristallen, wo es fünffach punktsymmetrische Kachelungen gibt, die traditionell auch in islamischen Mosaiken verwendet werden. Dieses aperiodische Kachel-Muster ist auch bekannt als Penrose Parkettierung.

 

Bei der Übertragung eines Kachelprinzips auf eine modulare Fassade ist es nun wichtig, gewisse geometrische Orientierungsregeln anzuwenden. D.h. die Möglichkeit der Platzierung einer Kachel an der nächsten muss begrenzt werden. Prof. Joshua Socolar von der Duke University hat innerhalb der Penrose Parkettierung eine periodische Serie von Parallelinien entdeckt. Und diese Linien machen es möglich, das Muster anzuwenden auf die Rechtwinkligkeit von Gebäudesystemen. Wir haben übrigens direkt mit Dr. Socolar zusammengearbeitet, um die Fassade von Hospital Manuel Gea Gonzales in Mexico zu entwickeln.

Prosolve370e -Torre de Especialidades (Kachel-Geometrie), Mexico City. Courtesy of elegant embellishments

Prosolve370e -Torre de Especialidades (Kachel-Geometrie), Mexico City. Courtesy of elegant embellishments

 

Interaktion von TiO2 und Licht

Was können Sie uns sagen über diesen ‚organischen Look‘ der Module? Wie kamen Sie darauf, sie mit Titandioxid (TiO2) zu beschichten?

 

Allison Dring: In den frühen 2000er Jahren stießen wir auf die TiO2-basierte Technologie, als sie in einer Schrift erschien, die gerade herumging. Dieser Text war nur eine anonym zusammengestellte PDF-Datei, die durch die Kontaktlisten von Londoner Büros per Emails verschickt wurde. Das Ganze hatte also einen Touch von ‚underground‘. Der Inhalt handelte von intelligenten Materialien, die auch im architektonischen Maßstab verwendet werden können.

 

Was nun unsere Aufmerksamkeit erweckte, war die Tatsache, dass TiO2 mit Licht interagiert. Und hier spürten wir, dass es Oberflächen und Formen geben könnte, die auf Licht reagieren. D.h. Oberflächen, die sich verhalten wie Organismen, die Photosynthese betreiben. So wie Korallen oder Schwämme. Da die Vergrößerung von Oberflächen die Wirksamkeit der TiO2-Technologie steigert, haben wir versucht, eine Form zu finden, die eine hohe Leistungsfähigkeit ermöglicht. Und diese Form sollte so gestaltet sein, dass sie sich in einer scheinbar organischen, zufälligen Weise wiederholt.

 

Diese Willkürlichkeit ist besonders dazu geeignet, Dinge aus allen Richtungen einzufangen, in unserem Fall verschmutzte Luft und ambientes Tageslicht was wir für die Reaktion brauchen. Dennoch aber sollte es sich natürlich auch auf die modulare Gebäudeindustrie übertragen lassen.

Prosolve370e -Torre de Especialidades, Mexico City. Courtesy of elegant embellishments. Foto © Alejandro Cartagena

Prosolve370e -Torre de Especialidades, Mexico City. Courtesy of elegant embellishments. Foto © Alejandro Cartagena

 

Wäre statt TiO2 auch ein anderer Stoff denkbar?

 

Allison Dring: Es gibt keine chemischen Alternativen zu TiO2, die ähnlich schadstoffabbauend wären. TiO2 ist ein Pigment, das in viele Materialien eingelagert werden kann …

 

Inspiration Joghurtbecher

Und bei Prosolve370e handelt es sich ja bei diesem Trägermaterial um Plastik. Diese Elemente bestehen aus thermogeformten Kunststoffschalen, um sie möglichst leicht zu halten. Liegt bei Ihrem ökologischen Anspruch darin nicht eigentlich ein Widerspruch?

 

Allison Dring: Es stimmt, dass Kunststoffe einen schlechten Ruf haben was die Kohlenstoffbilanz angeht, besonders die fossilen Polymere. Aber ganz zu Anfang als wir unsere Prototypen für Prosolve entwickelten suchten wir erst einmal nach Materialeffizienz. Und da dieses Produkt am Ende dafür gedacht war, an Fassaden abgehängt zu werden, musste es so leicht wie möglich sein. Daher war unsere erste Inspiration auch der Joghurtbecher, d.h. ein einfaches Mini-Plastik-Element, das als eine dreidimensionale Form eine Beschichtung von TiO2 aufnehmen kann.

 

Wir dürfen nicht vergessen … was Prosolve bekämpfen möchte ist ein akutes Problem. Und zwar die Luftverschmutzung, die in hohen Konzentrationen und direkt toxisch auf den Menschen wirkt. Die Verwendung von Kunststoff trägt in diesem Fall nur ganz unwesentlich zum schleichenden Problem der Erderwärmung bei.

 

Korallen und Quasikristalle

Sie erwähnten schon die Natur als Inspirationsquelle. Prosolve370e mit ihren organischen Formen verrät ja einiges davon …

 

Allison Dring: Zumeist lässt sich die Lösung von Umweltproblemen auch aus ihrer Umwelt ableiten. Daher ist biomimetisches Denken für unsere Arbeit unerlässlich. Die uns gestellten Probleme zu verstehen, bedeutet die Biochemie unserer Atmosphäre zu verstehen. Genauso wie unsere Rohstoffe, aber auch unsere eigenen Verhaltensweisen. Manchmal brauchen wir uns tatsächlich nur die Natur anzuschauen, um Vorbilder zu finden … Prosolve z.B. ist wie gesagt angelehnt an Korallen, vor allem weil die Gestalt der Korallen eine Beziehung hat zu Licht. Denn die Korallen auf dem Boden des Ozeans müssen ja an Licht gelangen, um Photosynthese betreiben zu können.

 

Sie sprachen vorhin von ‘Quasicrystals’. Was spielt dieses Thema für eine Rolle in Ihrer Arbeit?

 

Allison Dring: Für die Architektur sind Quasicrystals faszinierend, weil ihre modularen Systeme organisches Wachstum simulieren. Und zwar wachsen sie, indem sie einen raumfüllenden Modultyp wiederholen, ohne aber dabei ein Muster zu wiederholen. Und genau dieses Prinzip des Kristallwachstums macht die Elemente von Prosolve370e ökonomisch und scheinbar willkürlich.

 

Prosolve370e -Torre de Especialidades, Mexico City. Courtesy of elegant embellishments. Foto © Alejandro Cartagena

Prosolve370e -Torre de Especialidades, Mexico City. Courtesy of elegant embellishments. Foto © Alejandro Cartagena

 

Fassadenelemente gegen Luftverschmutzung

Prosolve370e wurde 2012 installiert an der bestehenden Fassade des Manuel Gea González Hospital in Mexico City. Es handelt sich dabei um einen 2500 m2 großen membranartigen Schirm, der die Luftverschmutzung von 1000 Autos pro Tag reduzieren soll. Was sind die Ergebnisse von Mexico City?

 

Allison Dring: Das Mexico City Krankenhaus war das erste Projekt im Außenbereich bei dem wir Prosolve benutzt haben. Dieser Schirm oberhalb einer stark befahrenen Verkehrsader bietet einen reinigenden Filter zwischen dem Gebäude und dem Verkehr. Das ist die perfekte Ausgangslage, um einen Effekt zu haben auf die städtische Verschmutzung.

 

Und wie waren die Reaktionen der Menschen vor Ort, vor allem die der Patienten?

 

Allison Dring: Von den Rückmeldungen her wissen wir, dass die Leute den Schirm vor allem als Ornament schätzen. Und andere, wie etwa die Angestellten im Krankenhaus, die über den eigentlichen Effekt Bescheid wissen, sind dankbar dafür. Global gesehen hat dieses Projekt viel Aufmerksamkeit bekommen in den Medien. Dadurch wurde ein Standard für viele andere Städte festgelegt, und zwar sollen sie nun ihre eigenen Probleme der Verschmutzung prüfen und auch die Möglichkeiten der Architektur, diesen Verschmutzungen entgegen zu wirken.

Prosolve370e -Torre de Especialidades, Mexico City. Courtesy of elegant embellishments. Foto © Alejandro Cartagena

Prosolve370e -Torre de Especialidades, Mexico City. Courtesy of elegant embellishments. Foto © Alejandro Cartagena

 

Vorreiter Mexico City

Interessanterweise habe ich nichts gefunden über Anwendungen von Prosolve370e in Deutschland. Sie mussten bis nach Mexico City gehen, um Ihr Produkt auszuprobieren. Gibt es hierzulande zu wenig Pioniergeist? Was ist der Grund?

 

Allison Dring: Deutschland ist ein risikoscheues Land und in geringerem Maße gilt das auch für den Rest von Europa. Ich denke, die Voraussetzung für einen Auftrag zu einer solchen schadstoffabbauenden Fassade wäre eine offizielle Erklärung, dass es eine Luftverschmutzung überhaupt gibt.

 

Aber wir Europäer glauben ja gern, dass Verschmutzung allein ein Problem für Entwicklungsländer ist. Oder dass es ein Problem im chinesischen Maßstab ist, mit dem wir nicht vergleichbar sind. Und dabei liegen die Fakten so, dass viele europäische Städte EU Grenzwerte für Schadstoffbelastungen überschreiten. Wir dürfen nicht vergessen, Luftverschmutzung ist nicht nur ein globales Problem, sondern auch ein lokales. D.h. die örtliche Schadstoffbelastung an einer deutschen Straßenkreuzung kann z.B. genauso hoch sein wie die durchschnittliche Belastung in Mexico City.

 

Und wie geht man in Mexico mit dem Thema Luftverschmutzung um?

 

Allison Dring: In Mexico-City sind die Bürger durchaus gut informiert über ihre Probleme mit der Verschmutzung. Die Politiker dort werden anerkannt und gelobt dafür, dass sie neue Richtlinien einführen, um dagegen anzukämpfen. Außerdem werden Schulen an schlechten Tagen geschlossen. Und der Direktor des Krankenhauses hat wie selbstverständlich die Entscheidung getroffen, diese Technologie Prosolve370e anzuwenden. Deshalb kann man sagen, Luftverschmutzung in Mexico ist ein Problem, dass man dort längst in Angriff genommen hat.

 

Mangel an Problembewusstsein und Initiative

Gab es nach dem großen Erfolg von Prosolve in Mexico City tatsächlich keine Anfragen aus Deutschland? Gerade von deutschen Krankenhäusern?

 

Allison Dring: Aus Deutschland kam wenig Reaktion. Das Mexico Projekt hat hier durchaus viel Medieninteresse geweckt. Aber was die Initiierung von Projekten angeht, ist es wie ich schon sagte … um ein Problem der Luftverschmutzung zu lösen, muss man erst einmal zugeben, dass man eins hat. Viele Projektentwickler hier möchten ihre Projekte nicht damit in Zusammenhang bringen. So hat sich z.B. ein Interessent im Stuttgarter Raum sich letztlich gegen Prosolve entschieden, da es auch auf ein Problem hingewiesen hätte, das er als produzierendes Unternehmen mit zu verantworten hat. 

 

Braucht diese Art von Fassadeninstallation eine besondere Pflege oder Wartung? Muss die TiO2-Schicht regelmäßig erneuert werden?

 

Allison Dring: Prosolve braucht nicht viel an Wartung. Nur die Rückstände, die durch den Regen nicht weggespült wurden, müssen entfernt werden. Daher wird Prosolve einmal zu jeder Jahreszeit mit warmem Wasser besprüht. Und bei der Schicht aus TiO2 wird empfohlen sie alle 5-10 Jahre nochmals aufzutragen, um eine größtmögliche Wirksamkeit zu gewährleisten.

HexChar. Courtesy of Made of Air

HexChar. Courtesy of Made of Air

 

Baumaterialien mit negativer CO2-Bilanz

Kommen wir zu ‘HexChar’. Wie ist das Projekt entstanden und worum geht es dabei?

 

Allison Dring: Wie gesagt, der Impuls dazu entstand noch während unserer Arbeit für Prosolve. Und zwar ging es darum, ein alternatives Material zu finden für Plastik, das ja auf fossilen Rohstoffen basiert. Es machte für uns aber keinen Sinn ein Bauelement zu entwickeln, das auf herkömmlichen Ideen von Nachhaltigkeit beruht. Und zwar die des langsamen oder des nicht existenten Wachstums. Denn das Höchste was diese traditionelle Auffassung von Nachhaltigkeit anstrebt ist ja lediglich die Klimaneutralität. Und die ist angewiesen darauf, inwieweit unsere Gesellschaft bereit ist, ihr Verhalten zu verändern.

 

Vorhangfassade ‚HexChar‘

Und was ist bei Ihrer Auffassung von Nachhaltigkeit anders?

 

Allison Dring: Mit HexChar haben wir versucht, einen Prozess zu entwickeln, der es uns möglich macht, Materialien in einer Weise herzustellen und zu verbrauchen, so dass die Umwelt sogar davon profitieren kann. D.h. wir suchten nach einem Verfahren und nicht unbedingt nach einem Produkt. Und so begannen wir mit unserer Arbeit an einem Baumaterial, das eine negative CO2-Bilanz haben sollte. D.h. einer Materialmischung, die mehr atmosphärisches Kohlenstoffdioxid bindet als die Menge an Kohlenstoffdioxid, die während der Produktion erzeugt wird. Und das bedeutet, je mehr wir davon produzieren, desto besser für die Umwelt.

 

Diese Mischung nennt sich ‘Made of Air’ und ist ein Thermoplast, das zu Bauprodukten geformt werden kann. Und zur Zeit gibt es in der Branche kein anderes Produkt mit einer höheren negativen CO2-Bilanz.  Bei HexChar handelt es sich um ein Produkt für eine vorgehängte Fassade, die eben aus dieser Mischung ‚Made of Air‘ besteht. Der momentane Stand ist, dass dieses Material pro 1000m2 Fläche etwa 20 Tonnen CO2 binden kann.

 

Zwischen Wissenschaft und Architektur

Für ‚HexChar‘ haben Sie zusammengearbeitet mit dem Materialchemiker Prof. Dr. Arne Thomas von der TU Berlin, einem Spezialisten über Funktionsmaterialien. Wie haben Sie diese Schnittstelle zwischen Architektur und Wissenschaft erlebt?

 

Allison Dring: Dr. Thomas ist eine wertvolle Hilfsquelle für uns. Sein Hintergrund, die Mikrochemie von kohlenstoffreichen Materialien, machte es uns vor vielen Jahren möglich, unsere Forschungen zu betreiben.

Bei Architekten und Wissenschaftlern gibt es ja eine gesunde gemeinsame Grundlage. D.h. beide beschäftigen sich mit Erfindungen und deren Anwendungen. Darüber hinaus teilen wir eine Menge von Enthusiasmus und Neugier. Und die Gespräche sind oftmals sehr angeregt. Hin und wieder gibt es nur ein Problem, wenn es darum geht herauszufinden, über welchen Maßstab es bei dem Ganzen überhaupt geht. Während wir Architeken z.B. denken, wir befinden uns gerade im Maßstab 1:100, denken die Wissenschaftler im Mikrometerbereich …

HexChar - Fassadenelemente. Courtesy of Made of Air

HexChar – Fassadenelemente. Courtesy of Made of Air

 

Die Ästhetik von Elegant Embellishments

Sie bezeichnen diese schwarzen, hexagonalen HexChar-Elemente als Baumaterial und es wird ja präsentiert als ein Fassadenmodul. Wie wird dieses Element eigentlich von den Verbrauchern aufgenommen?

 

Allison Dring: Ich denke, wir von Elegant Embellishments haben eine einzigartige Fähigkeit, klimatische Probleme mit einer bestimmten Ästhetik in Verbindung zu bringen. Diese Ästhetik ist manchmal synergetisch mit den Technologien, die wir verwenden und manchmal gestalterisch. Aber wir respektieren Beides als wichtige Bestandteile der Architektur, sowohl die funktionale Formgebung als auch die bloße Form. D.h. wir müssen imstande sein, unsere Ideen in einer Weise zu verwirklichen, dass sie von den Menschen auch angenommen werden.

 

Ich könnte mir vorstellen, dass Menschen davor zurückschrecken, das Aussehen ihrer Häuser auf eine solche Weise zu verändern … oder arbeiten Sie auch an mehreren Formvariationen, um unterschiedliche Geschmäcker anzusprechen?

 

Allison Dring: Es ist nicht gerade so, dass wir à la ‘copy-paste’ die ästhetischen Vorstellungen unserer Kunden auf unsere Materialien übertragen würden. Aber wir formen sie so, dass sie bei bestimmten Umgebungen und Bedingungen funktionieren. Sonderausführungen sind also notwendig. Und die Entwicklung von Varianten sind ja ein Geschäftsmodell … durch Fortschritte in der digitalen Fertigung werden Sonderanfertigungen immer alltäglicher. Spezialanfertigungen bedeuten also längst nicht mehr erhöhte Kosten.

 

Made of Air

Am Ende darf ich Sie noch fragen, woran Sie im Moment arbeiten und ob Sie neue Pläne für Ihr Büro haben …

 

Allison Dring: Tatsächlich hatten wir erst September 2016 eine Neugründung. Die Firma heißt Made of Air GmbH. Es wird dabei darum gehen, Fassaden und auch andere Produkte der Bauindustrie mit negativer CO2-Bilanz zu entwickeln, zu testen und zu produzieren. Zurzeit sind wir in der Förderphase. Und Anfang 2017 werden wir mit dem Testen der Materialien fertig sein.

Zur Website von Elegant Embellisments 

 

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