smart materials satellites. Material als Experiment

4. Aug 2017, in Ausstellung

„ShapeShift“, Chair for CAAD, 2010 / ETH Zürich, M. Kretzer, E. Augustynowicz, S. Georgakopoulou, D. Rossi, S. Sixt

 

Was passiert, wenn Materialien mitdenken? Was kann ein kluges Material bloß sein? Smart materials – das ist schon seit Jahren ein wichtiges Thema für die Architektur. Zugegebenermaßen eher ein Forschungsthema, das aber immer aktueller und präsenter wird. Bei Gebäudehüllen denkt man dabei leicht an intelligente oder kinetische Fassaden. Das Typische an ‚smart materials‘: Es gibt keine Trennung von Funktion und Werkstoff mehr, vielmehr wird Funktionalität in die Struktur des Werkstoffes integriert. 

Wer nicht nur mehr über dieses Thema erfahren, sondern diese erstaunlichen Materialien auch hautnah erleben möchte, hat zur Zeit Gelegenheit dazu: ‚smart materials satellites. Material als Experiment‘ heißt die Ausstellung, die für drei Monate in der Bauhaussiedlung Dessau-Törten zu sehen ist.

 

Drähte mit Gedächtnis

Smart materials verändern ihre Form je nach Einfluss von Wärme, Feuchteunterschiede in der Luft o.ä. Ein Szenario dieser Art könnte etwa folgendermaßen aussehen: Eine Fassade mit beweglichen Elementen ist mit Drähten aus Formgedächtnislegierungen ausgestattet, was einen Öffnungs- und Schließmechanismus gewährleistet. Und erwärmt sich nun die Fassade durch Sonneneinstrahlung, erinnern sich diese Drähte an ihre vorherige Geometrie und gehen bei Erreichen einer bestimmten Temperatur zurück in ihre ursprüngliche Form. So wird die Fassade zu einer Chamäleon-Haut, die sich je nach den äußeren Bedingungen verhalten kann. Und das ist natürlich, wie der Name schon sagt, ganz schön schlau.

 

Ausstellung zum Anfassen

Diese faszinierend intelligenten Werkstoffe sind Materialentwicklungen der Naturwissenschaften, die sowohl Gestaltern als auch der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannt sind. Aber zur Zeit können Neugierige und Interessierte dieses Thema nach Herzenslust erforschen. Wenn sie wollen sogar mit eigenen Händen.

 

Paula van Brummelen, „Responsive Surface“, 2016 / weißensee kunsthochschule berlin, Textil- und Flächendesign, Paula van Brummelen

 

Vereint: Wissenschaft, Kunst und Design

Vom 13. Juli – 22. Oktober 2017 findet in der Bauhaussiedlung Dessau-Törten im Rahmen des Forschungsprojektes ‚smart materials satellites‘ eine interaktive Ausstellung statt: ’smart materials satellites. Material als Experiment‘.

Präsentiert wird sie von der Stiftung Bauhaus Dessau zusammen mit der weißensee kunstsschule berlin. Ziel ist es, das Zusammenwirken von Wissenschaft, Kunst und Design zu zeigen und der breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Materialexperimente von Designern treffen sich hier mit den neuesten Entwicklungen der Ingenieure. Und vor allem das Mitmachen der Besucher ist ein wichtiger Teil des Ausstellungskonzepts. Ihre Arbeiten sollen zum Bestandteil der gezeigten Objekte werden. Somit wird die Ausstellung nach drei Monaten anders aussehen als am Anfang.

 

Paula van Brummelen, „Responsive Surface“, 2016 / weißensee kunsthochschule berlin, Textil- und Flächendesign, Paula van Brummelen

 

Forschungslabor für Materialexperimente

Der geschichtsträchtige Standort, das Stahlhaus, wirkt als inspirierender Hintergrund mit. Die Bauhäusler Muche und Paulick bauten es 1926/27. Ihnen kam es darauf an, das Material Stahl mit industrieller Formsprache zum Ausdruck zu bringen. Der fortschrittliche Gedanke von damals schwingt also mit. Das Wohnhaus aus Stahl und der dazugehörige Garten dient als Forschungslabor und Plattform für Experimente und Veranstaltungen der Ausstellung.

 

Clemens Winkler, „Mutual Drugs“, Foaming Reaction Homeopathic-Atmosphere / Foto: Clemens Winkler

 

Was erwartet die Besucher? Unter anderem Werkstoffinnovationen, die die weißensee kunsthochschule berlin bereits seit Jahren zusammen mit dem Fraunhofer-Institut IWU entwickelt haben. Ihre Forschungsergebnisse sind Teil der Ausstellung im Dessauer Stahlhaus. Außerdem  lädt die Kunsthochschule zu Werkstoffwochen ein, in denen es Workshops zu den drei Materialien Piezo, FGL (Formgedächtnislegierungen) und DEA (dielektrische Elastomer-Aktoren) geben wird. Auch ein Vorkurs nach Vorbild der historischen Bauhauspraxis und Vorträge von Materialexperten  gehören zum Begleitprogramm dazu.

 

Mitspieler Stahlhaus

Als Exponate gibt es Werke von den Gestaltern Paula van Brummelen, Clemens Winkler, Manuel Kretzer und Lapatsch/Unger. Parallel dazu geben zwei Bauhaus Residenzkünstlerinnen Einblicke in ihre Arbeiten: Wagehe Raufi beschäftigt sich mit Formauflösungsprozessen sowie Formwerdung von Materialitäten und Marit Wolters thematisiert das akustische Potential architektonischer Materialien wie Porenbeton und Stahl und nutzt dabei das Stahlhaus von Georg Muche und Richard Paulick als Resonanzkörper. Die beiden Herren hätten bestimmt gerne mitgemacht.

 

Bauhaussiedlung Dessau-Törten, Stahlhaus (Georg Muche und Richard Paulick, 1926/27), Südstraße 5, 2012 / Stiftung Bauhaus Dessau, Foto: Sebastian Gündel

 

 

smart materials satellites. Material als Experiment

13. Juli – 22. Oktober 2017

Mi – So, 12 – 18 Uhr

Eintritt frei

Stahlhaus, Siedlung Dessau-Törten

 

 

 

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