Haus H von Bottega + Ehrhardt Architekten

14. Jul 2017, in Objektberichte

 
Haus H, so heißt das neueste Sanierungsprojekt von Giorgio Bottega und Henning Ehrhardt. Beide lernten sich während ihrer Zeit bei Kohlhoff + Kohlhoff Architekten in Stuttgart kennen und gründeten dort 1998 ihr gemeinsames Büro. Bei Bottega + Ehrhardt Architekten nimmt die Auseinandersetzung mit Wohnhausarchitektur einen großen Raum ein. Einen besonderen Stellenwert haben dabei auch bestehende Häuser. Haus H ist eines davon. Der Rück-und Umbau wurde voriges Jahr fertiggestellt. Das Einfamilienhaus aus dem Jahr 1958 befindet sich in innerstädtischer Halbhöhenlage im Stuttgarter Süden und wurde von den Architekten einem erstaunlichen „Vorher-Nachher-Prozess“ unterworfen.

 

Im Grunde genommen ist das Sanierungsprinzip bei Haus H einfach: Die Verwandlung erfolgt wie bei der Editierung eines Texts. Da werden kleine und unnötig erscheinende Anhängsel weggekürzt und überhängende Elemente herausgeschnitten …

 

 

Wie man besonders deutlich beim nunmehr bündig abgeschlossenen Dach sehen kann. Das Ergebnis ist eine klare und verständliche Sprache. So wird der inhomogene Altbau zu einem lesbaren Monolith.

 

 

Auch die strahlend warmgraue Fassade mit anthrazitfarbenen Holz-Aluminium-Fenstern komponierten die Architekten behutsam, aber in klar lesbaren Linien, neu. Und saniert wurde sie natürlich auch, die Gebäudehülle samt Putzfassade, wobei energetische Aspekte berücksichtigt wurden.

 

Der Wandaufbau von außen nach innen weist mehrere Schichten auf. Die Architekten wählten ein mineralisches Wärmedämmverbundsystem in einer Gesamtstärke von 19cm, wobei 18cm auf Steinwolle (035) und der Rest auf den Mineralischen Putz und Silikat-Anstrich entfällt. Die Anbringung erfolgte über Verklebung und Verdübelung am Bestandsmauerwerk mit 2cm Bestandskratzputz. Je nach Geschosslage beträgt die Stärke des Bestandsmauerwerks aus Schalsteinen und Ziegel 24 bis 45cm. Bei den erdberührten Außenwandbereichen, wo keine Außendämmung möglich war, kamen 8cm starke Innendämmplatten zum Einsatz.

 

 

Aber auch dem gesamten Baukörper in seinem ästhetischen Erscheinungsbild wurde sowohl äußerlich als auch innerlich mehr Stärke verliehen. Durch das Zurückschneiden des Dachgeschosses auf der Talseite entstand eine große Dachterrasse, die den Ausblick auf die Stadt Stuttgart zelebriert.

 

 

Ferner erfährt diese oberste Gebäudeebene noch eine weitere Funktion: Ein Stahlsteg, der in sie hineinragt, wird zum neuen einladenden Zugang des Hauses. Außerdem besteht die Bedeckung des Satteldachs von Haus H aus dunklen Dachsteinen mit integrierter Photovoltaik.

 

 

Herausragend ist im Innern des Baukörpers die winkelförmige Treppe mit weißem Stahlgeländerband. Ähnlich einer skulpturalen Schraube scheint sie sich in den Hang hinein zu bohren. Der zentrale Luftraum, den sie umwindet, kann bei Bedarf nachgerüstet werden mit einem Fahrstuhl.

 

 

Die Innenarchitektur zeichnet sich aus durch Offenheit und fließende Räume. Und der monochrome Gesamteindruck wird konsequent fortgeführt. Hierfür kommen zum Einsatz betongraue, mineralische Bodenbeschichtung und einheitliche Einbauten aus weiß lackiertem MDF.

 

 

Klarheit, Reduktion und Einfachheit in Form und Materialität. Das sind, nach ihren eigenen Worten, die Merkmale von Bottega + Ehrhardt Architekten. Haus H ist ein weiteres Paradebeispiel dafür.

 

 

 

Zur Website von Bottega + Ehrhardt Architekten

Credits: © All Project Photos: David Franck, Ostfildern. All images by courtesy of Bottega + Ehrhardt Architekten

 

 

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