Ein Fassaden-Lichtblick – die Werkstätte Liechtblick in Schaffhausen

5. Jul 2017, in Energieeffizienz, Fassadendesign, Oberflächen, Objektberichte, Putz, VHF

Die Werkstätte LIECHTBLICK in Schaffhausen konfektioniert hochwertige Produkte für Fassadendämmungen und -bekleidungen. Ihr aus den 60/70er Jahren stammendes Produktions- und Administrationsgebäude stellte für das Unternehmen keine Referenz mehr dar und verursachte hohe Heizenergiekosten. Die bauphysikalischen Gegebenheiten hatten auch negative Auswirkungen auf Arbeitsumgebung und Behaglichkeit für die Mitarbeitenden und Besucher der Werkstätte LIECHTBLICK. Eine umfassende Fassadensanierung war die Folge.

Das energetisch sanierte und optisch modernisierte Gebäude der Werkstätte LIECHTBLICK bildet mit der auffälligen Fassade einen eleganten Blickfang.

 

Die Ästhetik des Firmengebäudes ist aussergewöhnlich. Welche Überlegungen führten zu der gewählten Fassade, wie sie sich heute präsentiert?

R. Busenhart: Für das Ebnat-Quartier ist das markant gelegene LIECHTBLICK-Gebäude ein Auftakt in eine zeitgenössische Architektur. Die markante Lage erforderte, subtil den Schnittpunkt zwischen «Identität der Werkstätte LIECHTBLICK» einerseits und der Lage auf der weiterherum sichtbaren Hügelstirn andererseits, auszuloten. Falzen – Biegen – Nieten – Kassettieren, das sind die Haupttätigkeiten der Werkstätte LIECHTBLICK. Das Potenzial dieser Tätigkeiten sichtbar zu machen, war eine der Zielsetzungen in diesem Sanierungsprojekt.

Das Gesamtbild wie auch die Details der Fassade widerspiegeln die «Uhrmacher-Präzision», welche die Werkstätte LIECHTBLICK in Anspruch nimmt.

R. Busenhart: Die Oberflächenoptik der eingesetzten Alucobond®-Verbundplatten kommt der markanten Lage durch die der Natur nachempfundenen wechselnden Farbverläufe mit irisierenden Glanzeffekten entgegen.

Bei der Entwicklung dieser Fassadenlösung haben wir zusammen mit den LIECHTBLICK-Verantwortlichen intensiv Materialeigenschaften und mögliche Befestigungstechniken studiert. Die umgesetzte Kassetten-Technik war die logische Folge, bei welcher die faszinierenden Qualitäten der in Regenbogenfarben schillernden Oberfläche ausgezeichnet zur Geltung kommen.

 

Welche besonderen Anforderungen stellten sich aufgrund der Nutzung des Gebäudes?

R. Busenhart: Eine wichtige Anforderung des Bauherrn war ein behagliches Raumklima mit winterlichem und sommerlichem Wärmeschutz. Mit hochwertiger Wärmedämmung samt wärmegedämmter Konsolen – einer Innovation der Werkstätte LIECHTBLICK und deren Partner von ecolite – wird heute Heizenergie in der Grössenordnung von 60 % eingespart. Die Fensterbänder wurden zurückhaltend und funktionell gestaltet. Schmale Lüftungsflügel gewährleisten die in der SIA-Norm 382 festgelegten minimalen Lüftungsquerschnitte in Abhängigkeit zu den zugehörigen Raumflächen. Aufgrund der exponierten Lage des Gebäudes und der zu erwartenden Windlasten setzten wir auf stabile Metall-Fenster.

 

Gab es besondere Knackpunkte, die es bei der Umsetzung zu beachten galt?

R. Busenhart: Bei der technischen Umsetzung wählten wir die Architekturfugen so, dass keine Kreuzungspunkte in den horizontalen Brüstungsbändern entstanden. Die Fensterbank wurde auf eine Weise ausgebildet, dass die Architekturfugen als «durchgehend» wahrgenommen werden. Eine farbliche Zuordnung der Fensterbänke an die Fenster sowie eine Entwässerung nach hinten und in den Architekturfugen ermöglichten dies.

Die von der Talseite abgewandte Seite des Firmengebäudes erhielt eine vertikal gezogene Putzfassade, welche mit ihren Schattierungen diesem Körper einen lebendigen Ausdruck verleiht.

Die 320 vorgefertigten Alucobond®-Verbundplatten erforderten bei Planung und Montage genaueste Präzision. Die Kassetten in unterschiedlichen Formen und Formaten wurden mit wärmetechnischen ECOLITE® High-Tech-Konsolen aufgehängt. Dabei musste eine Genauigkeit von rund 2 mm auf die gesamte Gebäudehöhe eingehalten werden.

Durch die vertikal gezogene Putzbehandlung mit Zahntraufel erreichte der Architekt eine lebendige, das Handwerk lesbar machende Oberfläche.

Neben dem «Blickfang» der Brüstungsbänder wurde auch bei dem in Massivbau erstellten, von der Talseite abgewandten Baukörper die notwendige Beachtung geschenkt. Die vertikal strukturierte, verputzte und matte Oberfläche dieses statisch stabilisierenden, flächigen Körpers ist ausgleichend hell und schlicht gehalten. Gleichzeitig ist er der architektonisch Halt gebende Teil des Gesamtbildes. Die Umsetzung der verputzten Aussendämmung „Design Key West“von Sto war handwerklich anspruchsvoll. Die dekorative Oberfläche gibt dem Baukörper eine optimale Mattigkeit als Kontrast zu den übrigen Metall- und Glasflächen.

 

Das Gesamtbild der früheren Fassaden-Architektur wurde kompromisslos ins 21. Jahrhundert transportiert.

Wie beurteilen Sie abschliessend Ihre Erfahrungen in diesem Projekt?

R. Busenhart: Die Zusammenarbeit mit motivierten und fähigen Partnern ermöglichte, bei laufendem Betrieb ein ausserordentliches Ergebnis und die Erfüllung der hochgesteckten Vorgaben.

Die professionelle Vorfertigung der Brüstungselemente durch die Werkstätte LIECHTBLICK trugen ihren Anteil zum Erfolg bei. Die einwandfreie und problemlose Montage der Brüstungselemente wurde durch eine vorausschauende Planung gewährleistet – angefangen von der Konstruktion des Fassadengerüstes (Gerüst-Plan) bis zum ins Detail geplanten Montageablauf der Fassadenelemente durch die Montagefirma.

 

 

 

 

Roland Busenhart, Geschäftsleitung von BUSENHART & PARTNER Manufaktur für Architektur in Schaffhausen.

Zur Webseite der Werkstätte LIECHTBLICK: www.liechtblick.ch

Zur Webseite Busenhart & Partner AG: www.bp-arch.ch

Photos © Schiessfotografie

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4 Kommentare

  1. 7. Jul 2017, 9:22 am erstellt von Patrwink

    Hallo zusammen,

    darf ich bei euch mal nachfragen, was genau eigentlich ein Fassadenverblender ist? Ist das denn so etwas wie eine rein optische Verschönerung der Fassade oder was kann man sich darunter vorstellen? Ich hab das hier bei diesem Verkäufer gefunden und kann das noch nicht so ganz einordnen..

    Vielen Dank im Voraus

    Patrick

    • 10. Jul 2017, 9:25 am erstellt von Axel Killmann

      Hallo,
      unter Fassadenverblender versteht man Klinkerriemchen, die z.B. auch auf WDVS in Standard-Mauerwerksverbänden verklebt werden können.
      Eine Übersicht über unser Angebot hierzu, finden Sie auf der folgenden Website http://www.stobrick.de/

  2. 6. Nov 2017, 9:31 am erstellt von Sebastian K

    Hallo und danke für diesen Beitrag! Selten sieht man so schöne Firmengebäude, die Fassade mit der tollen Optik ist sehr schön. Ich bin kein Architekt, aber interessiere mich sehr für Gebäuden und Materialien, und finde sowas zu lesen immer sehr spannend.
    Mit freundlichen Grüße, Sebastian

    • 6. Nov 2017, 1:25 pm erstellt von Susanne Schafroth

      Vielen Dank, Sebastian!
      Wir freuen uns über dein Interesse und dass dir unser Blog zusagt.
      Freundliche Grüsse auch an dich, Susanne Schafroth