Besonderes Gedenkhaus für Mutter Teresa

6. Sep 2016, in Objektberichte

Das Mutter-Teresia-Haus in Skopje

Das Mutter-Teresia-Haus in Skopje

100.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Mutter-Teresa-Haus in Skopje, wo die Ikone der Nächstenliebe 1910, im damaligen Osmanischen Reich, geboren wurde. Mit der Heiligsprechung am 4. September 2016 durch Papst Franziskus gerät der interessante Bau, der 2009 fertiggestellt wurde, nun wieder verstärkt in den Fokus der architektonisch interessierten Öffentlichkeit.

Der Blick fällt dabei sofort auf die dreidimensionalen Tauben, die sich von der Fassade zu erheben scheinen, um in den Himmel zu fliegen. Vorher werden sie aber zu Fischen – ganz im Stil des niederländischen Grafikers M.C. Escher, eines Idols von Architekt Vangel Bozinovski. Die 3-D-Tauben/Fische stammen aus der Zauberwerkstätte der Sto-Profis, die nach Vorlage Deko-Elemente in allen denkbaren Formen herstellen.

Das Gedenkhaus wurde von Architekt Vangel Bozanski entworfen

Das Gedenkhaus wurde von Architekt Vangel Bozanski entworfen

 

Wenn man keine greifbaren Fakten zur Hand hat“, beschreibt der bekannte Architekt Vangel Bozinowski seinen Zugang zum Projekt Mutter-Teresa-Haus, „muss man sich vorstellen, das kleine Mädchen Agnes zu sein.“ Agnes Gonxha Bojaxhiu wurde 1910 in Skopje geboren, als jüngste Tochter einer katholisch-albanischen Familie, einer religiösen Minderheit in der mehrheitlich christlich-orthodoxen und islamischen Stadt. „Der eine Krieg ist vorbei, ein weiterer steht vor der Tür, die kleine Agnes füttert die Tauben und fragt sich in der Dunkelheit, wo die Goldfische im Gartenteich geblieben sind“, beschreibt der Architekt seine Vorstellungen, die zur Gestaltung des Gedenkhauses für Mutter Teresa führten und die ihm letztlich den Sieg beim internationalen Wettbewerb brachten.

Das Team von StoDesign entwarf das Tauben-Fische-Design an der Fassade

Das Team von StoDesign entwarf das Tauben-Fische-Design an der Fassade

 

Der Bau vereint verschiedene Elemente und Gedanken zu einem großen Ganzen: Als Basis wählte er ein traditionell mazedonisches Bürgerhaus aus Stein, das langsam zu einer Kapelle aus Glas wird – „so wie das kleine Mädchen aus Skopje, das zur Heiligen Teresa von Kalkutta wurde“, so der Architekt. Das Gebäude sieht er als ein „selbstwachsendes Objekt, das aus der Erde hervorbricht, angetrieben von den lichtvollen und freudigen Erinnerungen aus Mutter Teresas Leben in Skopje.“

Tauben – bzw. je nach Blickwinkel Fische – zieren die Fassade des Mutter-Teresa-Hauses

Tauben – bzw. je nach Blickwinkel Fische – zieren die Fassade des Mutter-Teresa-Hauses

 

Die 3-D-Fassade, kunstvoll gefertigt aus maßgeschneiderten StoDeco-Elementen aus dem vulkanischen Naturrohstoff Perlit, verbindet zwei bedeutungsschwere Symbole in Escher-Manier: Tauben als Symbol für den Heiligen Geist, und Fische, das Zeichen des Urchristentums. Das Gebäude umfasst ein Museum, das unter anderem ein handgeschriebenes Gebetbuch und einen der Saris der Friedensnobelpreisträgerin zeigt. Es wirkt als internationale Begegnungsstätte und nationaler Brennpunkt für die Republik Mazedonien.

Fotos: Christian Schellander

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